Hedvigs Welt
Kurz vor drei ist die Welt an diesem Nachmittag auf der Eteläesplanadi noch in Ordnung. Der Himmel ein schwereloses Gemälde in Graublau, vom Hafen weht eine sanfte Brise herüber, und angenehm warm ist es auch: 23 Grad Celsius. Auf dem sandkörnigen Mittelstreifen herrscht reger Flaneur-Verkehr, und auch die wenigen Parkbänke vor der Espan Lava, einer Konzertbühne en miniature mit goldener Lyra auf dem Dach, füllen sich nach und nach.
Gekommen sind vor allem ältere Menschen, die es sich nicht nehmen lassen, einige der Sängerinnen und Sänger zu hören, die es bei der diesjährigen Mirjam Helin International Singing Competition zwar nicht ins Halbfinale oder gar Finale geschafft haben, denen aber das beliebte Format noch einen öffentlichen Auftritt ermöglicht. Was allein schon deswegen erstaunlich ist, weil als Begleitinstrument nur ein Keyboard zur Verfügung steht, dessen Klänge nicht nur einmal vom Winde verweht werden.
Irgendetwas an diesem Ambiente aber muss die Götter erzürnt haben. Denn kaum ist Marie Sofie Jacob ans Mikrofon getreten, um eine Kostprobe ihres Könnens zu geben, verfinstert sich der Himmel über Helsinki und öffnet schließlich, begleitet von orkanartigen Böen, seine ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Diese Tonart, das wissen wir nicht erst seit Puccinis Musikdramen, sondern bereits aus den Zeiten Johann Sebastian Bachs, verheißt wenig Wohliges. H-moll, das klingt nach Abschied, nach Sorgenfurchen, nach Tod. Und wenn Franz Schubert das letzte Lied der «ersten Abteilung» seiner «Winterreise» in diese Tonart kleidet, dann ahnt auch der Wanderer, dass sein Weg wohl...
Mehr norwegische Geschichte rund um ein kleines Dorf geht wohl kaum: Die Kirche auf dem unfernen Hügel etwa war eine der «Valgkirken» (Wahlkirchen), in der 1814 die erste Wahlrunde zum norwegischen Reichstag stattfand; schon im 9. Jahrhundert brach auf dem Eis des Sees Randsfjorden Hálvdan der Schwarze samt Gefolge tödlich auf dem Eis ein, der Vater des ersten...
Beethovens «Fidelio» mit seinem Nebeneinander von Biedersinn und der Feier des Humanen stellt jede Regie zunächst einmal vor ein generelles Problem. Was tun mit dem widersprüchlichen Werk? Ob die zur Gewohnheit gewordene Lösung dieses Problems durch ein oratorienhaftes Blow up ins Allgemeinmenschliche noch trägt, darf und muss man bezweifeln; zugleich bietet die...
