Hedvigs Welt
Kurz vor drei ist die Welt an diesem Nachmittag auf der Eteläesplanadi noch in Ordnung. Der Himmel ein schwereloses Gemälde in Graublau, vom Hafen weht eine sanfte Brise herüber, und angenehm warm ist es auch: 23 Grad Celsius. Auf dem sandkörnigen Mittelstreifen herrscht reger Flaneur-Verkehr, und auch die wenigen Parkbänke vor der Espan Lava, einer Konzertbühne en miniature mit goldener Lyra auf dem Dach, füllen sich nach und nach.
Gekommen sind vor allem ältere Menschen, die es sich nicht nehmen lassen, einige der Sängerinnen und Sänger zu hören, die es bei der diesjährigen Mirjam Helin International Singing Competition zwar nicht ins Halbfinale oder gar Finale geschafft haben, denen aber das beliebte Format noch einen öffentlichen Auftritt ermöglicht. Was allein schon deswegen erstaunlich ist, weil als Begleitinstrument nur ein Keyboard zur Verfügung steht, dessen Klänge nicht nur einmal vom Winde verweht werden.
Irgendetwas an diesem Ambiente aber muss die Götter erzürnt haben. Denn kaum ist Marie Sofie Jacob ans Mikrofon getreten, um eine Kostprobe ihres Könnens zu geben, verfinstert sich der Himmel über Helsinki und öffnet schließlich, begleitet von orkanartigen Böen, seine ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Im StaatenHaus, der Ausweichspielstätte der Kölner Oper, sieht es aus wie in einem Atommüll-Lager. Die Ausstatterin Patricia Talacko nutzt die Nähe zwischen Publikum und Kunst und bettet das Zuschauerpodest zwischen weiße Plastiksäcke. Noch nie wirkte Weiß so giftig. Mit gespitzten Ohren ist zu erahnen, dass das nervige Gemurmel im Hintergrund aus Lautsprechern...
Liebe Frau Baumgartner, können wir über Träume reden?
Ja, klar, auf jeden Fall.
Schön. Träumen Sie manchmal in Farbe?
Ich glaube, ich träume immer in Farbe. Ich habe Farben in meinen Träumen nie vermisst, das wäre mir aufgefallen; demnach müssen sie ja wohl vorhanden sein.
Vermissen Sie irgendwelche Farben?
Ich folge meist einem inneren Gefühl; das dockt irgendwo...
Selbst unter den Solitären der Operngeschichte ist Beethovens «Fidelio» ein einsames Werk geblieben. Mit den drei Fassungen (1805, 1806, 1814) nimmt es einen erratisch anmutenden Platz im Schaffen Beethovens ein und wird von der Forschung doch oder gerade deswegen vernachlässigt. So ist es ein Ereignis, wenn erstmals seit fast vierzig Jahren wieder eine Monographie...
