Vergnüglich

Rossini: Il turco in Italia an der Oper Lüttich

Opernwelt - Logo

An Ressentiments herrscht in diesem 1814 an der Mailänder Scala aus der Taufe gehobenen Werk wirklich kein Mangel:  Rossinis «Il turco in Italia». Der Sultan ist ein zwar charmanter, aber unerbittlicher Despot; die vermeintlich untreue Geliebte hat er bereits zum Tod verurteilt und Frauen, derer er überdrüssig wurde, flugs verkauft. Italienerinnen wiederum haben es faustdick hinter den Ohren.

Vom Ehemann gelangweilt, trösten sie sich vorübergehend mit einem Liebhaber, der aber dann sofort vergessen ist, wenn ein attraktiver und märchenhaft reicher orientalischer Potentat daherkommt. Beispielsweise ein Sultan.

Für alles dies ersinnt Rossini zündende Musik, die jener der vorangegangenen «Italiana in Algeri» kaum nachsteht. Auch der anlässlich der Uraufführung gegen den Komponisten erhobene Vorwurf des Selbstplagiats entbehrt jeder Grundlage. Mögen dennoch einzelne Nummern nicht ganz die Höhe der «Italiana» erreichen, so entschädigt dafür Felice Romanis brillantes Libretto, das einen seiner (die übrigen Figuren manipulierenden) Berufskollegen auf die Bühne stellt.

Regisseur Fabrice Murgia begreift dies als Steilvorlage. Sultan und flatterhafte Neapolitanerin verwandeln sich in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Michael Kaminski

Weitere Beiträge
Sieben Fragen an Alexandra Steiner

Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich habe ganz schrecklich geweint in der «Jenůfa»-Inszenierung von Calixto Bieito in Stuttgart – nicht ahnend, dass ich kurz darauf in genau dieser Produktion als Jano debütieren sollte. Danach eher selten. Gut, Rodolfos «Aufschrei» ist schon herzzerreißend. Und manchmal bin ich auch nahe der Rührung, weil Musik ab und an...

Fleisch und Geist

Man sieht es – und erschaudert: Italien im Winter 2022, das ist eine Nation, die schon seit Jahrzehnten auf dem ökonomischen Holzpfad wandelt, die spätestens mit dem Antritt der Ministerpräsidentin Giorgia Meloni von der rechtsextremen Partei «Fratelli d’Italia» aber endgültig in der Vergangenheit angekommen ist, unabhängig davon, ob man diese nun als...

Spielpläne 12/22

P = Premiere ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung

Hier finden Sie alle Termine (Premieren sowie Repertoirevorstellungen) der Opernhäuser in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Von den wichtigsten Häusern in Europa bilden wir die Premieren ab. Viel Spaß!

DEUTSCHLAND

Aachen Theater...