Todesrevue
Den Tod sterben wir bekanntermaßen allein: Violetta windet sich auf dem nackten Boden des Bühnenrands – da ist der Vorhang längst gefallen –, nur der empfindungslose Blick des Conférenciers in der Loge haftet auf ihr. Verflogen sind Rausch und Glanz des Varietés, verschwunden ist das Partyvolk. Mit diesem Schlussbild setzt Barbora Horáková Joly eine treffsichere Pointe und bricht so die durchgängige «Theater-im-Theater»-Logik dieser Neuinszenierung von Verdis «La traviata» effektvoll auf.
«Amore e Morte» hatte der Komponist sein Melodramma um die Pariser Halbweltdame zunächst taufen wollen. Horáková Joly und ihre Bühnenbildnerin Eva-Maria van Acker nehmen sich den ursprünglich intendierten Titel zur Leitidee der Produktion an Dresdens Semperoper; deren vorrangigste Stärke ist das opulente Belle-Époque-Setting, mit seinen zeittypischen Kostümen, spritzig choreografierten Tanzeinlagen und aufwändiger Lichtregie. Auf einem mehretagigen, rotundenartigen Gerüst spielt sich eine Revueshow ab, die sofort an das knallbunte «Moulin Rouge»-Musical von Baz Luhrmann denken lässt. Wie Nicole Kidman im Film darf auch Violetta auf einer Schaukel von oben herabschweben.
Das Kammerspiel, als das ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Werner Kopfmüller
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