Szenen ohne Worte

Sarah Nemtsov komponiert an der Schnittstelle zwischen absoluter Musik und Musiktheater

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Die amerikanische Avantgarde-Schriftstellerin Gertrude Stein träumte davon, Bilder in Texte zu «übersetzen». Ausgangspunkt waren die kubistischen Kompositionen ihrer Malerfreunde Picasso und Braque. Dabei ging es ihr nicht um die Beschreibung ästhetischer Erfahrung, sondern um die Nachbildung von Strukturen, Rhythmen, Farbwerten mit den Mitteln der Sprache, gleichsam um eine Transsubstantiation abstrakter Bildwerke in Literatur. Ob Steins Experimente die ­Oldenburger Komponistin Sarah Nemtsov (Jahrgang 1980) beeinflusst haben, wissen wir nicht.

Doch wer sich auf Nemtsovs Arbeiten einlässt, spürt alsbald, dass auch bei ihr das Interesse an verborgenen Kongruenzen zwischen den Künsten den kreativen Prozess entzündet.

Antrieb und formbildende Kraft der Klangfantasie sind meist literarische Texte, die um verlassene, verlorene Orte oder Menschen kreisen. Melancholische Erinnerungsprosa wie Benjamins «Berliner Kindheit um neunzehnhundert», Prousts «A la Recherche du temps perdu» oder Erzählungen von W. G. Sebald («Die Ausgewanderten»). Ihren sechsteiligen Zyklus «A LONG WAY AWAY. Passagen» (2010/11) bezieht Sarah Nemtsov explizit auf diese Autoren. Freilich hat sie nicht eine einzige ...

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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Albrecht Thiemann

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