Verflixte Größe
Richtig putzig wirkte die alte Kulisse plötzlich: ein zierliches Stück Sperrholz-Barock in neuer, hochtechnisierter Umgebung. Wenn Carl Nielsens «Maskarade», die dänische Nationaloper schlechthin, bisher im Königlichen Theater am Kongens Nytorv gespielt wurde, war die Bühne voll mit einem Halbrund aus Balkons und Türen. Nun, auf der Bühne von Kopenhagens neuem Opernhaus, wirkte dieselbe Kulisse wie eine Puppenstube. Und genau das sollte sie auch.
Denn beim Gala-Konzert zur Einweihung war sie nicht nur Hintergrund-Dekoration, sondern auch augenzwinkerndes Signal: So riesig ist unsere neue Bühne, so wachsen wir über uns hinaus, so knüpfen wir aber auch an unsere ehrwürdige Tradition an – das alles flüsterte das Halbrund 1500 Ehrengästen entgegen. Knapp eine Million Fernsehzuschauer waren dabei, was bei einem Land mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern einiges sagt über Achtung und Neugier, die man dem neuen Haus entgegenbringt.
«Operaen» ist also mehr als ein Stück Architektur, mehr als eine Angelegenheit für Musikfreunde. Sie ist ein nationales Ereignis, und deswegen hat sie schon im Vorfeld heftige Kontroversen ausgelöst. Es begann mit dem Bauplatz. Gegenüber von Schloss ...
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Plötzlich durften sich alle anfassen: Vater und Tochter, Bruder und Schwester, Gott und Gattin. Sie waren so verdutzt, dass sie ihre Hände und Hüften kaum richtig nutzen konnten. Denn ihre Körper waren bisher vor allem Klangkörper und deshalb auf ganz andere Dinge geeicht, zumindest solange sie auf einer Bühne ausgestellt und angestrahlt wurden: auf Statik,...
Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünfundfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt...
Rechts die in Schieflage geratene Flanke eines italienischen Logentheaters, aus dem heraus Surin, Tomski und Tschekalinski Hermann wie ein Versuchskaninchen fixieren und in dem diesem seine wahnhaften Visionen erscheinen. Links ein luxuriöses Rokoko-Boudoir aus Plexiglas, das nach Eis aussieht und Auskunft gibt über den Zustand seiner Gefühle. Francesca Zambellos...
