Noch nicht das letzte Wort
Jörg Widmann freut sich darüber, dass der Münchner Uraufführung vor anderthalb Jahren relativ schnell eine zweite Inszenierung von «Das Gesicht im Spiegel» folgt. Außerdem muss nicht wie im Cuvilliés-Theater gegen eine trockene Akustik angekämpft werden, so dass viele Details der Partitur besser zur Geltung kommen – wichtig bei einem so klangorientierten Komponisten.
Besetzungspikanterie: Der ausgezeichnete Christoph Erpenbeck, der diesmal den Konzernchef Bruno singt, verkörperte 1997 in Bielefeld die Titelpartie von Eugen d’Alberts «Golem», und den Golem könnte man als mythisch inspirierte Urgestalt jener Klonwesen ansehen, wie sie die Gegenwart erschreckend real bereitzustellen beginnt. Allerdings sind Widmann und sein Librettist Roland Schimmelpfennig bei ihrem Bühnenwerk weit davon entfernt, Diskussionen um eine umstrittene biologische Technologie anzuheizen. Sie erzählen eine spezifisch gefärbte Geschichte um Liebe, Untreue und Eifersucht, Ähnlichkeiten mit bekannten Opern nicht ausgeschlossen. Die finale Betrachtung von Justine im bislang verwehrten Spiegel gleicht beispielsweise dem Schluss von Zemlinskys «Zwerg».
Solche Gefährdung des Stückes durch Anklammern an Bekanntes ...
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Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mittsechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen. Ja,...
