Verdi: I masnadieri
Die Münchner Erstaufführung von Verdis «I masnadieri» fand überraschenderweise am Gärtnerplatztheater statt, das alles auf eine Karte setzte, sogar erstmals die italienische Originalsprache (mit deutschen Obertiteln) wagte und damit auf ganzer Linie gewann. Das betrifft nicht nur das differenziert spielende Orchester unter dem neuen Ersten Kapellmeister, dem 31-jährigen Ungarn Henrik Nánási. Es wurde auch der Abend des langjährigen Ensemblemitglieds Elaine Ortiz Arandes.
Noch bevor ein Ton erklungen war, schlurften verzweifelte, frierende Menschen mit schwarzen Wollmützen auf eine Bühne, die an die ausgebrannten Stahlträger des World Trade Centers erinnerte. Da schrie eine Frau unvermittelt «Antonio!» ins Publikum, und das Orchester antwortete nicht minder elektrisierend mit den ersten Fortissimo-Akkorden der Ouvertüre. Solche Überraschungsmomente gab es immer wieder in der Inszenierung Thomas Wünschs, der die brandschatzenden Räuber Schillers überzeugend als Terroristen in einer zerstörten Welt des 21. Jahrhunderts zeigte.
Anführer Carlo Moor (tenoral mächtig auftrumpfend: Zurab Zurabishvili), verleumdet von seinem Bruder Francesco (ein gewaltig düster drohender Bariton: Mikael ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Konsumgut, das dem Publikum durch Momente etwas wert sei, die der Sache gar nicht wesentlich wären, werde es zu einem anderen als es selbst, hatte Adorno vor mehr als vierzig Jahren über das Phänomen Oper formuliert. Auf trivialer Ebene entspricht diesem Statement ein Cartoon, der 2005 anlässlich des Hype um Anna Netrebko bei der «Traviata» in Salzburg in einer...
Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder...
Rund um die Berliner Staatsoper war es längst schon ein offenes Geheimnis: Zwischen Intendant Peter Mussbach und dem Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler läuft nichts mehr. Hier der sprunghafte Kunstvisionär und unorthodoxe Steuermann eines großen Operntankers, dort der kunstferne Finanzkommissar und beinharte Manager. Das war eine Konstellation, die Unter...
