Verdi: I masnadieri
Die Münchner Erstaufführung von Verdis «I masnadieri» fand überraschenderweise am Gärtnerplatztheater statt, das alles auf eine Karte setzte, sogar erstmals die italienische Originalsprache (mit deutschen Obertiteln) wagte und damit auf ganzer Linie gewann. Das betrifft nicht nur das differenziert spielende Orchester unter dem neuen Ersten Kapellmeister, dem 31-jährigen Ungarn Henrik Nánási. Es wurde auch der Abend des langjährigen Ensemblemitglieds Elaine Ortiz Arandes.
Noch bevor ein Ton erklungen war, schlurften verzweifelte, frierende Menschen mit schwarzen Wollmützen auf eine Bühne, die an die ausgebrannten Stahlträger des World Trade Centers erinnerte. Da schrie eine Frau unvermittelt «Antonio!» ins Publikum, und das Orchester antwortete nicht minder elektrisierend mit den ersten Fortissimo-Akkorden der Ouvertüre. Solche Überraschungsmomente gab es immer wieder in der Inszenierung Thomas Wünschs, der die brandschatzenden Räuber Schillers überzeugend als Terroristen in einer zerstörten Welt des 21. Jahrhunderts zeigte.
Anführer Carlo Moor (tenoral mächtig auftrumpfend: Zurab Zurabishvili), verleumdet von seinem Bruder Francesco (ein gewaltig düster drohender Bariton: Mikael ...
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Der erste Schock stellt sich ein, wenn der Vorhang hochgeht. Man fühlt sich in ein Filmstudio oder ins Laientheater versetzt: links das Portal einer Kirche – die Handlung spielt 1414 zur Zeit des Konstanzer Konzils –, rechts das schmucke Fachwerkhaus des jüdischen Goldschmieds Eléazar, dazwischen ein Platz, der den Blick auf einen Wehrgang freigibt. Ein...
