Strauss: Elektra
Bühnenbildner Michael Levine hatte für Robert Carsens «Elektra»-Inszenierung den Boden mit Erde bedeckt – ein Bild, das ebenso an Begräbnisse wie an Verdrängtes denken ließ, das es auszugraben gilt. Abgesehen von einem Beil, mit dem Susan Bullock als kompromisslos wütende Elektra in dem schmutzigen Grund herumkritzelte, war ein schneeweißes Bett, auf dem Agnes Baltsas vitalistische Klytämnestra erschien, das einzige gegenständliche Detail. Das Bett kam von unten und diente fortan als Symbol für den von bösen Träumen genährten Schuldkomplex der Mutter Elektras.
Susan Bullock sang die Titelpartie mit leidenschaftlicher Hingabe und Akkuratesse, ging dabei bis an die Grenzen ihrer vokalen Möglichkeiten. Sie trug das gleiche schwarze Gewand wie die Dienerinnen (Kostüme: Vazul Matusz) – ein großes Ensemble, dessen Identität sich in einer immer wiederkehrenden Kreisbewegung verlor. Die ständige Präsenz der Menge dämpfte (wie schon in Carsens «Iphigénie en Tauride») die Kraft der individuellen Konflikte, etwa zwischen Elektra und Klytämnestra. Allerdings kann eine solche Rückstufung Elektras durchaus sinnvoll sein. Zumal wenn die Titelfigur, ausdrucksstark choreografiert, bald in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Anfang», sagt James Conlon und nuckelt an seiner zuckerfreien Starbucks-Spezialorder, «war es eine Faszination, die allmählich und ganz organisch zu einer Leidenschaft gewachsen ist.» Dabei zeigt der 57-Jährige noch immer alle Anzeichen heftigster Verliebtheit: Sobald er über Alexander Zemlinsky sprechen kann, über Ernst Krenek, Erich Wolfgang Korngold, Walter...
Am Vorabend des Palmsonntags ging es am Staatstheater Kassel auf Ganze. Ein «Musiktheaterabend von den letzten Dingen» unter dem Titel «Weder noch» war angekündigt, für dessen Konzeption und Inszenierung Paul Esterhazy verantwortlich zeichnete. Es wurde ein vielschichtiger Abend, der allerdings mit einigen Buhs in einem insgesamt matten Schlussapplaus endete. Aus...
Johann Simon Mayr (1763-1845), einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit, war lange nur als Lehrer Donizettis ein Begriff. Die beispiellose Renaissance, die sein Schüler in den letzten fünfzig Jahren erlebte, hat auch das Interesse an Mayrs Werken neu entfacht. Aufnahmen seiner Opern «Medea in Corinto» und «Ginevra di Scozia» dürften zur...
