Väter und traumatisierte Söhne
Wer ein Weltreich regiert, ist mitunter selten zu Hause. Für Philippe II. galt dies im Besonderen, der spanische König tat sich schwer, sein Imperium zusammenzuhalten. Der Aufstand in den Niederlanden machte ihm ebenso zu schaffen wie die verlustreichen Auseinandersetzungen mit England und jener Langzeitkrieg gegen Frankreich, der 1559 schließlich beendet werden konnte. Nun aber galt es, den Frieden durch die strategische Eheschließung mit der französischen Prinzessin Élisabeth de Valois zu sichern. Auf seinen bis dato einzigen Sohn wollte Philippe dabei jedoch nicht setzen.
Zu schwer wog dessen genetische Vorbelastung – die Eltern waren doppel -seitig Cousine und Cousin. Die Geschichtsschreibung weiß denn auch von der psychischen wie physischen Labilität des optional als Thronfolger gezeugten Infanten zu berichten. Kein Wunder, dass Philippe II., der in strengen spanischen Herrschertugenden erzogene Spross Kaiser Karls V., den heranwachsenden Carlos als kommenden König für untragbar hielt. Dessen Geisteszustand, gepaart mit ständigen Stimmungswechseln, und die Selbstbeherrschung eines Landesvaters, der das schmerzvolle Erbe Spaniens in ein neues Goldenes Zeitalter führen sollte, ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Peter Krause, Götz Thieme
An Gesamtaufnahmen des «Rinaldo» herrscht kein Mangel. Was wir hören, ist stets die erste Fassung, deren Premiere am 24. Februar 1711 im Londoner Queen’s Theatre am Haymarket und auch danach wahre Begeisterungsstürme auslöste. 1731 später bearbeitete Händel «Rinaldo» aber derart radikal, dass man fast von einem neuen Werk sprechen muss. Die Stimmlagen fast aller...
Was für ein famoses Experiment der Satire: Florian Leopold Gassmann wendet die Typenkomödie der Opera buffa, wie sie im Stegreiftheater der Commedia dell’Arte vorgebildet ist, auf die tragischen Heldengeschichten der Opera seria an. Letztere war anno 1769 zur Uraufführung von Gassmanns Satire «L’Opera Seria» am Burgtheater schon arg in die Jahre gekommen. Gluck...
Wiedersehen macht Freude. Bisweilen aber nur bedingt. Der Regisseur Jean-Louis Grinda war von 1996 bis 2007 Intendant der Opéra Royal de Wallonie. Seine klare Ausrichtung auf das italienische und französische Repertoire wirkt bis heute nach, wenngleich sich das Haus inzwischen auch slawischen und deutschen Werken öffnet. Desto befremdlicher, was der Ex-Chef nun mit...
