Väter und traumatisierte Söhne

Verdis «Don Carlos» überzeugt in der französischen Urfassung als Grand opéra sowohl am Theater Hagen als auch in Kiel – und dort auch szenisch

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Wer ein Weltreich regiert, ist mitunter selten zu Hause. Für Philippe II. galt dies im Besonderen, der spanische König tat sich schwer, sein Imperium zusammenzuhalten. Der Aufstand in den Niederlanden machte ihm ebenso zu schaffen wie die verlustreichen Auseinandersetzungen mit England und jener Langzeitkrieg gegen Frankreich, der 1559 schließlich beendet werden konnte. Nun aber galt es, den Frieden durch die strategische Eheschließung mit der französischen Prinzessin Élisabeth de Valois zu sichern. Auf seinen bis dato einzigen Sohn wollte Philippe dabei jedoch nicht setzen.

Zu schwer wog dessen genetische Vorbelastung – die Eltern waren doppel -seitig Cousine und Cousin. Die Geschichtsschreibung weiß denn auch von der psychischen wie physischen Labilität des optional als Thronfolger gezeugten Infanten zu berichten. Kein Wunder, dass Philippe II., der in strengen spanischen Herrschertugenden erzogene Spross Kaiser Karls V., den heranwachsenden Carlos als kommenden König für untragbar hielt. Dessen Geisteszustand, gepaart mit ständigen Stimmungswechseln, und die Selbstbeherrschung eines Landesvaters, der das schmerzvolle Erbe Spaniens in ein neues Goldenes Zeitalter führen sollte, ...

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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Peter Krause, Götz Thieme

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