Schicksal ohne Schlupfloch
Der Protagonist als leuchtendes Vorbild? Zumindest der Beginn dieser Uraufführung, die sein Name titelgebend ziert, suggeriert dergleichen. Noch ist kein einziger Ton erklungen, da sieht man das Gesicht dieses Mannes. Geisterhaft hebt es sich aus einem Bühnendunkel ab, das sich dann nach und nach mit seiner Handschrift füllt, so als wären es vor allem Gedanken und Worte, die von ihm geblieben sind.
Gramsci. Antonio Gramsci, um korrekt zu sein: ein Name, heute fast schon vergessen und doch ein Mythos, zumindest in seinem Heimatland Italien.
1891 auf Sardinien geboren, gehörte der auratische Schriftsteller, Politiker und Marxist nicht nur zu den Begründern der Kommunistischen Partei Italiens. Er war es auch, der 1924 von den Faschisten verfolgt bis zu seinem Tod 1937 im Kerker unablässig schreibend eben jene 32 «Gefängnishefte» füllte, die nicht ohne Einfluss auf so viele Nachgeborene geblieben sind.
Einer von ihnen ist der Komponist Luigi Nono. Doch nicht von ihm stammt die Oper «Gramsci», die, ergänzt um Puccinis Einakter «Suor Angelica», jetzt im Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz aus der Taufe gehoben worden ist. Sondern von Cord Meijering, einem Schüler von Hans Werner Henze und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Hartmut Regitz
Die Libretti der berühmtesten Opern Giacomo Puccinis werden häufig unterschätzt. Dabei sind die Szenen präzise, und die Musik folgt jeder Nuance. Etwa wenn Toscas Besänftigung wieder in die nächste Eifersuchtsattacke umkippt; wenn Mario Cavaradossi nicht ganz bei der Sache ist, sondern eine Spur abgelenkt; wenn Scarpia es sich in seiner abgrundtiefen Schlechtigkeit...
Dass das «Opera Forward Festival» der Zeit vorauseilen will, steckt ja schon in seinem Namen. Dass es sich sogar selbst überholt, erstaunt dann aber doch: Bereits während des laufenden Festivals stellte Sophie de Lint, die Intendantin der Amsterdamer Nationaloper, das Programm des kommenden Jahrgangs vor. Das tat sie wohl auch deshalb, weil es 2026 eine...
Thomas Mann bezeichnete sie als «wesenlos und allmächtig», Hugo von Hofmannsthal legte seiner Feldmarschallin von Werdenberg die Worte in den Mund, sie sei ein «sonderbar Ding». Unter dem Strich ist die Zeit vermutlich beides, und als hätte er dies schon Jahrhunderte vor Mann und Hofmannsthal geahnt, wenn nicht gewusst, überließ William Shakespeare ihr gleich einen...
