Gespeichertes Erleben
Natürlich muss man, fällt der Begriff der «Heimat», sogleich an Edgar Reitz denken, an sein epochales Filmepos gleichen Namens. Und natürlich hält die philosophische Literatur jede Menge schlaue Sentenzen zu diesem Topos bereit. Etwa die des stets heimatverbundenen, urdeutschen Denkers Martin Heidegger. In seinem Hauptwerk «Sein und Zeit» sinniert er über unser aller Verhältnis zur Natur und erkennt darin eine prekäre Grundsituation. Der Mensch, so Heidegger, erfahre so die «Unheimlichkeit des alltäglich vertrauten Inder-Welt-Seins».
Erst in der Begegnung mit der Natur könne er erkennen, dass er ein heimatloses Wesen sei, eines, das im «Un-Zuhause» existiere.
Christiane Wiesenfeldt zitiert Heidegger in ihrer Studie «Musik und Heimat», für die sie zehn Jahre lang geforscht hat. Die Musikwissenschaftlerin findet auch für das heikel-weite Feld einen klugen Zugriff. Schon im Vorwort versucht sie, Grenzen dort zu ziehen, wo andere sie vielleicht übertreten würden: Wissend, dass sie sich mit dem Begriff der «Heimatmusik» womöglich «in volkstümelnd misszudeutende Gewässer» begebe, solle eben dieses Wissen einfließen in ihre Überlegungen zum Thema.
Für die Autorin bedingen beide Begriffe ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jan Verheyen
Nein, die blaue Libelle fliegt hier nirgendwo hin. Wie auch, wo sie keine Flügel hat und weit und breit kein Gewässer zu sehen ist, stattdessen aber eine schäbige, mit Kritzeleien beschmierte Häuserfront im Dämmerlicht. An der lehnt, allein, einsam und nervös rauchend, die hinzuerfundene Mutter der Füchsin. Augenblicklich wird klar, die «Libelle» (Alessia Aurora...
Im Kopf des jungen Mannes herrscht ein Riesen-Durcheinander. Seine gesamte Identität schwankt bedenklich, das Dasein erscheint ihm wie ein einziges Paradoxon. Auf der einen Seite fühlt sich Lisandro Vega, den sie alle nur Eisejuaz nennen, verbunden mit jenem indigenen Stamm aus dem Norden Argentiniens, als dessen Mitglied er aufgewachsen ist, auf der anderen prägt...
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