Gespeichertes Erleben

Christiane Wiesenfeldt denkt klug und couragiert über Musik und Heimat nach

Opernwelt - Logo

Natürlich muss man, fällt der Begriff der «Heimat», sogleich an Edgar Reitz denken, an sein epochales Filmepos gleichen Namens. Und natürlich hält die philosophische Literatur jede Menge schlaue Sentenzen zu diesem Topos bereit. Etwa die des stets heimatverbundenen, urdeutschen Denkers Martin Heidegger. In seinem Hauptwerk «Sein und Zeit» sinniert er über unser aller Verhältnis zur Natur und erkennt darin eine prekäre Grundsituation. Der Mensch, so Heidegger, erfahre so die «Unheimlichkeit des alltäglich vertrauten Inder-Welt-Seins».

Erst in der Begegnung mit der Natur könne er erkennen, dass er ein heimatloses Wesen sei, eines, das im «Un-Zuhause» existiere.

Christiane Wiesenfeldt zitiert Heidegger in ihrer Studie «Musik und Heimat», für die sie zehn Jahre lang geforscht hat. Die Musikwissenschaftlerin findet auch für das heikel-weite Feld einen klugen Zugriff. Schon im Vorwort versucht sie, Grenzen dort zu ziehen, wo andere sie vielleicht übertreten würden: Wissend, dass sie sich mit dem Begriff der «Heimatmusik» womöglich «in volkstümelnd misszudeutende Gewässer» begebe, solle eben dieses Wissen einfließen in ihre Überlegungen zum Thema.

Für die Autorin bedingen beide Begriffe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jan Verheyen

Weitere Beiträge
Die nackte Gewalt

Der Anfang ist eigentlich schon das Ende. Ein Mann im schwarzen Anzug, allein und einsam auf weiter, weißer Flur (Bühne: Klaus Grünberg). Wir ahnen, es ist der Titelheld, jener legendenumsponnene Pharao, der im 14. Jahrhundert v. Chr. eine Zeitlang über Ägypten herrschte und von dem man wenig mehr weiß. Und selbst dieses Wenige hüllt seine Gestalt mehr in Nebel,...

Vorschau und Impressum Opernwelt 5/25

Ausnahmetalent
Die Poesie ist schon ihrem Vornamen eingeschrieben: Mondblume. Und als solche blüht Aigul Akhmetshina nun schon seit einigen Jahren mächtig auf. Ihre Elisabetta in Donizettis «Maria Stuarda» war eine Sensation, ebenso ihre Carmen. Und auch in der Partie der Adalgisa zeigt die Mezzosopranistin, wieviel Potenzial in ihrer warmen Stimme steckt. Ein...

Überwältigende Vielfalt

Darüber, was Musik sein könnte, gingen die Meinungen schon immer auseinander. Mag sie ihrem Ursprung nach, als «mousiké», Musenkunst gewesen sein, differieren die Definitionen je nach Zeit, Perspektive und Autor. Für Schönberg bedeutete Musik eine Form mystischer Konsonanz mit dem Weltall, für den Experimentalpsychologen Steven Pinker ist sie kaum mehr als...