Utopie und Perfidie
Alles ist Spaß auf Erden»: Aus dem Falstaff-Motto hatte Peter Konwitschny 2001 in Graz einen herrlich tristen Theaterabend gezaubert. Die Wehmut war heiter am Ende der Intendanz von Gerhard Brunner. Das Konzept mischte die Analyse des Stückes mit der Liebeserklärung an ein Theater und mit einer saftigen Portion Kulturpessimismus. Die Bühne bestand eigentlich nur aus einem riesigen Abriss-Container. Dort landeten Kulissenteile, Erinnerungen und Hoffnungen: «Theater war schön», stand mit Kritzelschrift darauf.
2005 geht wieder eine Ära zu Ende, die Konwitschny mitgeprägt hat.
In Hamburg gab Ingo Metzmacher nach endlosen Querelen mit einer (inzwischen aus dem Amt geschiedenen) Kulturpolitikerin auf und wechselt nach Amsterdam. Mit Konwitschny hat er die Staatsoper am Gänsemarkt in den letzten acht Jahren zu einer ersten Adresse für neugieriges, risikofreudiges, fragelustiges und immer auch absturzbereites Musiktheater gemacht. Wir werden diese Zeit, in der viel Maßstabsetzendes entstanden ist, im Jahrbuch «Oper 2005» noch einmal Revue passieren lassen.
Deshalb muss hier nur kurz die Rede sein von der letzen Premiere. «Alles ist Spaß auf Erden» hätte auch ihr Motto heißen können. Die ...
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Gut zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Deutschland besuchte Josef Tal mit seiner Frau Pola erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt Berlin: «Wir nahmen ein Taxi. Ich sperrte meine Augen weit auf – es wurde eine Geisterfahrt. Nach kurzer Zeit sagte ich zu Pola auf Hebräisch: ‹Du, der fährt uns spazieren, um eine größere Zeche rauszukriegen. Den Weg kenne...
Die erste Oper des Komponisten Lorin Maazel ist eine Liebesgeschichte, bei der es besonders auf die Verhältnisse ankommt. Julia liebt Winston und Winston liebt Julia. Doch nicht die Familien, wie es sonst in solch klassischer Konstellation der Fall ist, sind gegen diese Liebe, sondern der alles überwachende Staat ist es. Deshalb wird das heimliche Liebesnest in der...
Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
