Unterwegs
In Mel Brooks’ Filmparodie «Young Frankenstein» rast Marty Feldman als Diener Igor (auszusprechen: Aigor) mit wehenden Rockschößen durchs Laboratorium und reißt vehement Schalter herum, auf dass sein Meister (Gene Wilder) aus einem Mixtum compositum von Leichenstücken ein neues Wesen schaffen könne.
Anlässlich von Raphaël Pichons Album «Libertà! – Mozart et l'opéra» darf sich der fantasiebegabte Hörer auch Wolfgang Amédée in ähnlichem Ambiente vorstellen: in einer virtuellen Gehirnwerkstatt Ideen ein- und ausschaltend, viele wegwerfend, einige behaltend, im Kopf kombinierend und kittend – bis sie sich schließlich zu dem fügen, was als Da-Ponte-Trilogie bekannt geworden ist.
Die Leichtigkeit des Seins indes, mit der Mozart dabei angeblich zu Werke ging, ist ein Produkt hagiografischer Fantasie. «Überhaupt irrt man», schrieb der Komponist an den Kapellmeister Johann Baptist Kucharz, «wenn man denkt, dass mir meine Kunst so leicht geworden ist.» Nichts war zufällig oder mit pseudogenialer Nonchalance konfektioniert. Das wahre Genie baut auf akribische Arbeit, meint auch Raphaël Pichon, der dem Schatten des Komponisten auf dem Weg zu den Da-Ponte-Opern folgt. Drei Szenen hat er ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats November. 2019. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
Nanu! Ist das nicht Michel Houellebecq? Dieser schmächtige Typ mit strähnigem Haar, der da rauchend im Bett liegt? Der dann sturzbetrunken zur Badewanne torkelt, um sich die Fußnägel zu lackieren?
Ja, zweifellos, er ist es. Der französische Kultautor ist in Elisabeth Stöpplers Inszenierung von Offenbachs letzter Oper «Les contes d’ Hoffmann» omnipräsent: Seine...
Was wohl der weise wie menschenkundige Doktor Marianus zu dieser Szene am Beginn des vierten Akts von «Les Indes galantes» anmerken würde? Er würde vermutlich schweigen, schmunzeln und sehr sanft sein Haupt schütteln. Denn rein gar nichts ist hier von jener reinen Minne zu spüren, die Marianus in der Bergschluchten-Szene aus Goethes «Faust II» besingt, von jener...
