Schöner Schein
Draußen vor der Tür lockt die Freiheit, drinnen im Saal das pure Verlangen. Draußen blickt uns von zwei zehn Quadratmeter großen Bannern herab eine kühl-unantastbare Schönheit an und wirbt für das Eau de Parfum «Libre» eines renommierten Duftproduzenten, drinnen im Saal schaut uns eine alles andere als kühl-unantastbare Schönheit an und wirbt für das (fiktive) Eau de Parfum «Villain». Und das ist genau genommen schon das Problem dieses reizüberfluteten Abends.
Simon Stone bildet in seiner «Traviata»-Inszenierung im Palais Garnier die Welt so ab, wie sie ist, im Kleinen wie im Großen. Sein Paris ist das Paris der glitzernden Fassaden, wo Champagner fließt, wo die Mitglieder der Hautevolee feinen Smoking und schick-knappe Cocktailkleider tragen, wo Geld keine Rolle spielt, und wo die Kurtisane ein omnipräsenter Popstar mit lukrativem Werbevertrag ist, die nach Erfüllung ihrer Tätigkeit als Marke mit einer auf die Bühne geschobenen Limousine nach Hause gebracht wird. Die Kommunikation erfolgt via Short Message Service, alles wird in eiligstem Tempo erledigt: Gefühle, Geschäfte, Gemeinheiten. Schöne kalte Welt, videogeneriert, irre schnell und genauso irre schrill.
Nicht minder ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Jürgen Otten
Ihre Faszination für das Epos, ihre Liebe zur Musik sieht man: Ana Kelo inszeniert den Vorabend der «Ring»-Tetralogie mit größtem Respekt. Sie hinterfragt wenig, sie erzählt einfach die Geschichte, in der Personenführung schnörkellos klar, in den Bühnenbildern von Mikki Kunttu so farbenfroh wie deutlich, märchenhaft, monumental. Die Nibelungen-Brüder gleichen mit...
alpha
17.11. – 21.45 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Brahms: Ein Deutsches Requiem
17.11. – 21.45 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Mozarts «Requiem» und Schönbergs «Ein Überlebender aus Warschau»
arte
03.11. – 16.50 Uhr
Verdi: Messa da Requiem
Berliner Philharmoniker (2019)
ML: Muti, S: Garanča, Meli, Abdrazakov, Yeo
06.11. – 05.00 Uhr
Werke von Beethoven
Berliner...
Die Kunst ist krank. Seit sie das klassische Gleichgewicht aus apollinischem Formempfinden und dionysischer Maßlosigkeit zugunsten Letzterer eingebüßt hat, verzehrt sie sich – und mit ihr die Schöpfer, mitunter gar die singenden oder dirigierenden Nachschöpfer des Entgrenzten, des Unbedingten, des Rauschhaften. Richard Wagners sich im «Tristan»-Akkord...
