Der andere Blick
Trotzdem! Trotz aller Katastrophen, Niederlagen, Toten. Die Sehnsucht nach solidarischen, herrschaftsfreien Lebensformen, die individuelles mit dem Wohl aller versöhnen könnten, ist noch nicht aus der Welt. Auch wenn es angesichts der durch den Homo sapiens an den Rand des Kollapses gebrachten Natur, des immer härteren globalen Wettbewerbs um Ressourcen, der Zündkraft nationalistischer und rassistischer Demagogen schwerfällt, eine menschlichere, gerechtere Zukunft zu besingen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Es ist indes eine versehrte Hoffnung, der Skepsis, Trauer, die Erfahrung grausamen Scheiterns eingeschrieben sind.
Luigi Nono, der große, vielleicht hellhörigste und zärtlichste Träumer unter Italiens neueren Komponisten, verkörperte – die Glocken Venedigs im Ohr und das Kommunistische Manifest im Herzen – die Haltung eines durch das blutige Antlitz der Geschichte erschütterten Utopisten wie kein zweiter Künstler seiner Generation. Und niemand hat die Widersprüche zwischen emanzipatorischem Furor und elender Faktizität sensibler, poetischer in Musik ausgedrückt. Kein Ton, den Nono nicht als ein «J’accuse» im Namen der Schwachen, der Unterdrückten, der Verdammten dieser Erde ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Albrecht Thiemann
Als die Hamburger Musikhochschule im Sommer diese Oper inszenierte, gab es einen femininen Proteststurm: Falstaff hatte einigen Damen den Hintern getätschelt. So etwas gehe gar nicht, meinten Studentinnen, die offenbar nicht nur Schillers Ausführungen zur «Schaubühne als moralische Anstalt» falsch verstanden haben. Handelt das Stück, gleich anfangs verkündet von...
Im schweizerischen Bergdorf, wo der Oldenburger «Ring» spielt, ist es Winter geworden. Die Weltesche, in der «Walküre» noch in vollem Laub, im «Siegfried» in milde Herbstfarben getaucht, ist gefällt und liegt als Brennholz für den Scheiterhaufen bereit, auf dem Walhall verglühen wird. So beginnt im Staatstheater die «Götterdämmerung». Zum ersten Mal in der...
Ach, das waren noch Zeiten in Salzburg. Damals, bei den Osterfestspielen. Herrlich unbeschwert. Jedenfalls solange Herbert von Karajan der König war. Von 1967 bis 1989 leitete er das Gourmet-Festival, als Maestro, Regisseur, Lichtgestalter und Programmdirektor. Mit einer Aufführung von Richard Wagners «Walküre» hatte er es am 19. März 1967 eröffnet, um freie Bahn...
