Unter Leuten

Tschaikowsky: Eugen Onegin in Hannover

Opernwelt - Logo

Faltenröcke machen früh alt. Jener, in dem die verträumte Bücherratte Tatjana steckt, lässt die junge Frau zu Beginn bereits wie ihre eigene Oma aussehen, die mit Vorliebe vom Damals erzählt, als die Zukunft noch so viel besser war. Doch die Schwärmerin singt sich in ihrer Briefszene empor aus dem wohlsortiert-langweiligen Landleben jenes Spießbürgeridylls, das Susanne Gschwender da in ihrem wunderbar wandlungsfähigen Einheitsbühnenbild ersonnen hat.

Die mächtig hohe Halle von Larinas Gutshaus könnte aus besseren russischen Provinzkreisen der 1950er-Jahre stammen; sie markiert messerscharf die Mitte zwischen privatem und öffentlichem Raum, in dem den Blicken und Ohren des Chorkollektivs garantiert nichts Intimes verborgen bleiben kann. So trällern die beiden Schwestern Olga und Tatjana ihr Liedchen zur Klavierbegleitung lieber im hintersten Winkel der teuren Halle als bestmöglichem Rückzugsort. Wie es sich für anständige Leute auch auf dem Lande gehört, stehen die Regale voller Bücher, hängen romantische Gemälde dichtgedrängt an den grüngraulichen Wänden und steht eben ein Klavier in der Ecke. 

Als nach dem Eifersuchtseklat beim Fest zu Tatjanas Namenstag, bei dem sich die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Goldenes Handwerk

Alles fiel bei diesem Debüt im Sommer 1972 zusammen. Erstmals stand Bernd Weikl auf der Bayreuther Bühne, als Wolfram, in einer Partie also, die maßgefertigt war für seinen lyrisch sozialisierten Bariton. Und dies auch noch in Götz Friedrichs umkämpfter Deutung von Wagners «Tannhäuser», die den Grünen Hügel endgültig in die Regie-Gegenwart katapultierte. Wir wissen...

Koksen, Posten, Tanzen

Die Händel-Festspiele in Halle fanden dieses Jahr zum 100. Mal statt. Man begeht die Feier traditionell mit Ausstellungen, Konzerten, einer Konferenz mit diversen Händel-Spezialisten – und natürlich mit Opernaufführungen in der Oper Halle sowie im idyllischen Goethe-Theater Bad Lauchstädt, das noch der Dichterfürst höchstpersönlich nach seinen Vorstellungen und...

Mit allen Wassern gewaschen

Zwei zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene italienische Opern mit russischen Sujets sind beim Maggio Musicale Fiorentino herausgekommen und auf DVD veröffentlicht worden. Nach Franco Alfanos «Risurrezione» von 1904 (OW 8/2021) nun also Umberto Giordanos «Siberia», die bei der Premiere an der Mailänder Scala wenige Monate zuvor einen sensationellen Erfolg...