Damals wie heute
FOKUS ´33» heißt die neue Reihe, mit der die Oper Bonn verstärkt Werke ins Blickfeld rückt, die nach 1933 oder ab 1945 aus den Spielplänen verschwanden. Nach Rolf Liebermanns «Leonore 40/45» und Giacomo Meyerbeers «Ein Feldlager in Schlesien» – immerhin Komponisten, deren Namen man kennt – hatte jetzt die seit 1945 nicht mehr aufgeführte Oper «Li-Tai-Pe» des gänzlich vergessenen Clemens von Franckenstein Premiere und wurde vom Publikum begeistert akklamiert.
Franckenstein, ein Jugendfreund Hofmannsthals und langjähriger Intendant der Münchner Oper, schreibt in dieser 1920 uraufgeführten und bis 1944 vielgespielten Chinoiserie eingängige, handwerklich gekonnte Musik – eklektische Neuromantik mit kräftigen Anleihen bei Wagner und Strauss. Er bedient sich bei seinem Oszillieren zwischen Schmiss und Schmalz aber auch Techniken der zeitgenössischen Unterhaltungsmusik und färbt das exotische Künstlerdrama um den chinesischen Dichter Li-Tai-Pe mit impressionistischen Anklängen fernöstlich ein. Einen eigenen Ton findet der Komponist vor allem als Lyriker wie im leitmotivisch die Oper grundierenden melancholischen Lied vom Kormoran oder im Preislied auf die Liebe, mit dem Li-Tai-Pe die ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Uwe Schweikert
Die Themen sind uralt, mehr noch: Sie bilden sogar die Grundrezeptur von (Musik-)Theater. Liebe, Tod, sich daraus entspinnende Konflikte, unlösbar (oder endend) im Licht – bis hin zu extremen, perversen Ausprägungen, wo es beispielsweise um missbrauchte Stieftöchter geht, die nach abgeschlagenen Prophetenköpfen gieren. Insofern erzählen uns Georg Friedrich Haas und...
Am Anfang die Dunkelheit. Und ein Klang, der raunend durch den Saal kreist und von dem man zunächst nicht weiß, woher er stammt. Man spürt nur, dass damit eine Atmosphäre der unheilvollen Ahnung heraufbeschworen wird. Wer den Roman «De Bekeerlinge» (zu deutsch: «Die Fremde») von Stefan Hertmans gelesen hat, der Krystian Lada als Grundlage für sein Libretto diente,...
Nach zwei reduzierten «Herbsteditionen» in den Corona-Jahren meldeten sich die Schwetzinger Festspiele 2022 mit zwei Aufführungen zurück und knüpften damit an die langjährige Schwetzinger Tradition der Mischung aus Alt und Neu an. Die Uraufführung galt in Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen Johannes Kalitzkes Oper «Kapitän Nemos Bibliothek», die Ausgrabung...
