Auf Engelsschwingen
In London schien am 17. Juni die Sonne, doch über Großbritanniens Kapitale bildeten sich an diesem Tag dunkle Wolken: Alfred Brendel war gestorben. Mit ihm verliert die Musikwelt nicht nur einen großen Musiker und Essayisten; zugleich bedeutet Brendels Tod die Schließung jenes geheimnisumwitterten Generalsekretariats für Genauigkeit und Seele, dessen Geschäftsführer er über viele Jahrzehnte hinweg gewesen war.
Brendels Art, Musik als Sprache zu «lesen», sie in Klang zu übersetzen und schreibend über sie nachzudenken, zeigte in jedem Moment den kritisch-wachen, gewitzten und humorvollen Geist.
Der Titel seines letzten Buches, das jetzt, kurz nach seinem Tod, erschienen ist, kündet davon: «Naivität und Ironie» versammelt Aufsätze, Prosa und Aphorismen aus den vergangenen Jahrzehnten sowie drei gelehrte Gespräche, die Brendel noch im hohen Alter geführt hat – mit Peter Paul Kainrath, dem Intendanten des Klangforum Wiens, mit dem Autor und Kurator Paul Holdengräber sowie mit Michael Krüger und Martin Meyer, den beiden Herausgebern des schmalen, aber ertragreichen Bandes.
Dass Alfred Brendel ein Leben lang über den Tellerrand der Musik hinausgeblickt hat, verrät schon der ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 41
von Jürgen Otten
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