Apokalypse now

Das zeitgenössische Musiktheater lebt! Am MusikTheater an der Wien erhitzt Miroslav Srnkas «Voice Killer» die Gemüter, an der Deutschen Oper Berlin Rebecca Saunders’ «Lash», in Köln werden Philippe Manourys «Die letzten Tage der Menschheit» uraufgeführt, in Stuttgart «Der rote Wal» der Brüder Bhatti, Nancy zeigt Florent Huberts und Antonin-Tri Hoangs «Les Incrédules»

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SRNKA: VOICE KILLER Musiktheater an der Wien
Edward J. Leonski war nicht zwingend das, was man einen schlechten Menschen nennt. Er hatte sich und seine Emotionen nur nicht im Griff. Während des Zweiten Weltkriegs war der Sohn russisch-polnischer Einwanderer, wie Tausende weitere junge US-amerikanische Soldaten, als GI in Melbourne stationiert, und sie alle langweilten sich mächtig.

Leonski aber genügte die Langeweile nicht, er trat aus sich, aus der Ordnung, dem Maß der Dinge heraus: Innerhalb von zwei Maiwochen des Jahres 1942 ermordete er wahllos drei Frauen – Mrs Ivy Violet McLeod, 39, Mrs Pauline Buchan Thompson, geborene O’Brian, 32, und Miss Gladys Lilian Hosking, 40. Und er griff weitere Frauen an (die seine Attacken jedoch überlebten), weil er ihre Stimmen nicht ertrug, ihren Gesang, weil dieser Gesang ihn an seine kranke Mutter erinnerte. Leonski wurde für die Morde hingerichtet, das Gesetzbuch sah diese Strafe vor. Aber damit konnten weder er noch irgendjemand anderer die drei Frauen wieder zum Leben erwecken. Kaum jemand außer den Angehörigen und ihren Nachfahren weiß heute noch, was damals geschah.

Die Morde, samt ihrer Umstände und Folgen, als Stoff für eine Oper zu ...

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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten, Michael Struck-Schloen, Götz Thieme, Peter Krause

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