Alles Essig
Mit gutem Willen ließe sich sagen: Es war alles so beabsichtigt. Hier der Sänger des Titelhelden, der sich im sehr lyrischen Bereich bewegt und im Angriffsmodus das Florett bevorzugt. Dort der Regisseur mit dem Willen, dem Stück die Machismen auszutreiben. Don Giovanni ist eine Frau – zumindest zeitweise – und dann wieder von ihr besessen. David Hermann hat seinen da Ponte für die Eröffnungspremiere der Münchner Opernfestspiele genau gelesen.
Die Erwähnung von Pluto, vor allem von Proserpina im Final-Quintett, nimmt er zum Anlass fürs Konzept: Die Gattin des Unterweltherrschers darf einmal pro Jahr von der Hölle Urlaub machen und ans Licht. Dort trifft sie ausgerechnet auf den Don und fährt in ihn hinein. Bei diesem fallen prompt die Testosteronwerte, er bewegt sich effeminiert, einmal sogar in Richtung Masetto: «Là ci darem la mano» findet einen ungewohnten Adressaten.
Hübsch ausgedacht ist dies, sogar virtuos durchgeführt, wenn sich Erica D'Amico als stumme Proserpina aus dem Körper Konstantin Krimmels herauszuwinden scheint. Mit dem Liebeswerben Giovannis ist es plötzlich Essig – bis auf eine Ausnahme: Das Ständchen ist ein freier Moment in jeglicher Hinsicht, auch für Krimmel, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
Die Schweizer Sprache hält einige Besonderheiten bereit, die man von außen her doch eher amüsiert betrachtet. Dazu zählt auch, neben der charmanten Begrüßung «Grüezi» und der flotten sportlichen Anfeuerung «Hopp Schwyz» auch der Begriff des «Redaktors», der bei Weitem nicht so charmant klingt wie das hochdeutsche «Redakteur», dieser eher prosaischen Tätigkeit aber...
In die abstrakten Rakel-Bilder Gerhard Richters kann man vieles hineindeuten. Auch einen impressionistischen, gelb-grün gehaltenen Lichterdom eines Waldstücks. Und genauso sieht in Mainz der an Richters Stil angelehnte Bühnenhintergrund aus für Janáčeks Tier-Oper «Das schlaue Füchslein». Doch halt! Erleben wir hier wirklich singende Tiere auf der Bühne? Im Grunde...
In den vergangenen Jahrzehnten haben zahlreiche Werke Rameaus für das Musiktheater ihre Wirksamkeit auch auf modernen Bühnen erwiesen. Die 1745 in Versailles urauf -geführte Opéra-ballet bouffon «Platée» ist unter ihnen das wohl beliebteste und am häufigsten aufgeführte. Die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe, die sich einbildet, so attraktiv zu sein, dass sich...
