Alles Essig
Mit gutem Willen ließe sich sagen: Es war alles so beabsichtigt. Hier der Sänger des Titelhelden, der sich im sehr lyrischen Bereich bewegt und im Angriffsmodus das Florett bevorzugt. Dort der Regisseur mit dem Willen, dem Stück die Machismen auszutreiben. Don Giovanni ist eine Frau – zumindest zeitweise – und dann wieder von ihr besessen. David Hermann hat seinen da Ponte für die Eröffnungspremiere der Münchner Opernfestspiele genau gelesen.
Die Erwähnung von Pluto, vor allem von Proserpina im Final-Quintett, nimmt er zum Anlass fürs Konzept: Die Gattin des Unterweltherrschers darf einmal pro Jahr von der Hölle Urlaub machen und ans Licht. Dort trifft sie ausgerechnet auf den Don und fährt in ihn hinein. Bei diesem fallen prompt die Testosteronwerte, er bewegt sich effeminiert, einmal sogar in Richtung Masetto: «Là ci darem la mano» findet einen ungewohnten Adressaten.
Hübsch ausgedacht ist dies, sogar virtuos durchgeführt, wenn sich Erica D'Amico als stumme Proserpina aus dem Körper Konstantin Krimmels herauszuwinden scheint. Mit dem Liebeswerben Giovannis ist es plötzlich Essig – bis auf eine Ausnahme: Das Ständchen ist ein freier Moment in jeglicher Hinsicht, auch für Krimmel, ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
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Dvořáks «Rusalka» ist ein heikles Werk, dessen Präsenz auf den Spielplänen wellenartigen Konjunkturen zu folgen scheint. Die letzte große Welle spülte vor 17 Jahren unterschiedlichste Fragestellungen an das Werk und Möglichkeiten seiner Deutung hoch: 2008 versuchte sich das Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito in Salzburg an einem Balanceakt zwischen moderater...
