Unstillbares Begehren
Dass Rossinis später «Comte Ory» mehr ist als eine Zweitverwertung der Noten für «Il viaggio a Reims», nämlich eine ingeniös eigenständige, sehr speziell französisch-italienische opéra-comique, hat sich herumgesprochen. Und dass es hier inhaltlich mehr zu erzählen gibt als eine Fraueneroberungsklamotte aus der Kreuzzugszeit, verspricht Denis Podalydès’ zuerst in Paris und Versailles gezeigte Inszenierung jetzt auch an der Opéra Royal de Wallonie.
Freilich ist der schlimme Graf kein Don Giovanni; seine Verkleidungslisten – erst als frommer Eremit, dann frivolerweise im Nonnenhabit – gehen schief, nicht nur weil ihm im eigenen Pagen ein Rivale und Gegenintrigant um die Gunst der schönen Comtesse Adèle gegenübersteht.
Die Menschen glauben gern, was sie am liebsten glauben möchten, und lassen sich umstandslos betrügen, am Ende aber ist der Betrüger der Betrogene und Blamierte. Doch auf derlei Spaßmechanik als Vehikel für einen tenore di grazia und hohe C’s wollte sich der als Sociétaire de la Comédie-Française geehrte Podalydès nicht verlassen. Er verlegt das Geschehen in die Entstehungszeit des Stücks – die kriegführenderweise abwesenden Männer sind mit der Eroberung Nordafrikas ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Holger Noltze
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz...
In Erinnerung an den belgischen Dramaturgen und Intendanten Gerard Mortier (1943-2014) ist ein neuer Förderpreis ins Leben gerufen worden. Der mit 30 000 Euro dotierte Mortier Next Generation Award wird an junge professionelle Künstlerinnen und Künstler vergeben, die außergewöhnliches Talent erkennen lassen, am Anfang ihrer Karriere stehen und ein eigenes Projekt...
Christoph Marthaler kehrt zurück an die Bühne, deren Bau er einst der Stadt Zürich abtrotzte, bevor sie ihn als Intendanten verjagte. Nun ist er also wieder da, im Schiffbau des Schauspielhauses. Mit einem neuen Stück: «44 Harmonies from Apartment House 1776». Aber von Vertrauen in Harmonie ist nicht viel zu spüren an diesem Abend. Und wenn, dann liegt sie in der...
