Tierisch gut
Was für eine charmante Idee: Die Sopranistin Sophie Karthäuser denkt Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere» ins Kunstlied-Genre weiter und lädt zum «Bal des animaux». Zu diesem Fest versammelt sich ein exquisites Bestiarium, in Vertonungen von 14 verschiedenen französischen Komponisten des 19. und 20 Jahrhunderts – wobei Reynaldo Hahn der passendste unter ihnen ist, zumal sein «Le Rossignol des lilas» durch ein Gedicht inspiriert ist, das von einem Poeten stammt, dessen Nachname übersetzt Delphin lautet: Léopold Dauphin.
Natürlich steigt das Vergnügen an diesem Konzeptalbum mit der Sattelfestigkeit des Hörers im Französischen. Denn an geistreichen Wortspielereien mangelt es nicht. Neben den originalen Versen werden aber auch englische Übersetzungen im bibliophilen Booklet mitgeliefert, das sich wie ein Leporello aufklappen lässt. Dabei entfaltet sich dann eine edle Collage, die alle 33 besungenen Tiere in Scherenschnitten zeigt, vom Frosch über die Schlange, das Dromedar und den Fuchs bis hin zu Schmetterling und Esel.
Herrlich humorvoll porträtiert Maurice Ravel einen Pfau, der vergeblich auf seine Verlobte wartet, sich die Enttäuschung aber natürlich nicht anmerken lässt ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 17
von Frederik Hanssen
Die Welt ist ein Karussell, und immer wieder tanzen die gleichen geisterhaften Schemen vorbei. Ein langes Menschenleben ist vergangen, seitdem das Reichs-Hinkebein «Wollt ihr den totalen Krieg?» krähte und Millionen Schafe «Ja» blökten. Man dachte, solche Szenen seien für immer im Gruselkabinett der Vergangenheit verschwunden, doch acht Jahrzehnte später scheint...
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Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit. Videoprojektionen sind heutzutage aus den Opernhäusern nicht mehr wegzudenken. Mal bringen sie künstlerischen Mehrwert durch konstrastierende Brechungen des Bühnengeschehens. Mal verdoppeln sie nur das, was man sowieso auf der Bühne sieht. Doch immer standen sie in irgendeinem Verhältnis zur Bewegung realer...
