Editorial 6/23

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Letzte Dinge haben den Menschen schon immer interessiert, im Grunde seit jenem (sonnigen?) Tage, an dem er die Erde betrat, um sie und alles, was darauf herumkreuchte und -fleuchte, sich untertan zu machen. Insbesondere Endzeitvisionen waren von jeher in Mode, die Mächte des Thanatos mindestens so virulent wie die seines Kontrahenten Eros. Von den apokalyptischen Schreckensbildern in der Offenbarung des Johannes bis zu aktuellen Kassandra-Rufen über den prekären Zustand des Planeten reicht die Liste jener Pamphlete, die ungeschminkt die Vergänglichkeit alles Seienden proklamiert haben.

Und sogar auf dem Theater, jenem locus amoenus, der doch eigentlich auserkoren war, die Schönheit zu suchen, ging die Welt zugrunde – in Karl Kraus’ zutiefst düsterem Schauspiel über den Ersten Weltkrieg und dessen Verwerfungen «Die letzten Tage der Menschheit». 

Auch die nachhaltigste aller Künste, die Oper, durfte von solchen Visionen nicht verschont bleiben. Oft schon haben pessimistisch gesinnte Geister ihr Ende ausgerufen, ohne dass die Gattung von der Bildfläche verschwunden wäre. Nun ist ein Buch erschienen, das erneut einem Angstaufschrei ähnelt und sich dezidiert auf Kraus’ megalomanes ...

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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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