Angenehm: dramatisch
Aile Asszonyi fiel als dramatischer Sopran in den letzten Monaten unter anderem durch zwei herausragende Auftritte am Saarländischen Staatstheater auf. Als Turandot (OW 04/2022) schleuderte sie ihre tödlichen Flüche nur so heraus, ohne dabei die Bereiche des Schönklangs verlassen zu müssen. Noch im Fortissimo, mit dem sie sich mühelos über diverse Orchestertutti erhebt, kann sie Töne farblich verändern, sie sensitiv einhüllen oder ihnen dynamisch langsam den vokalen Lebenssaft entziehen. Keine undifferenzierte Schreierei, nirgends.
Als Wagners Isolde (OW 07/2022) lässt Asszonyi sich in Saarbrücken in eine für dieses Stück musikdramatischer Liebes- und Lebens-Ent-Atmung extrem verspielte Inszenierung einbinden. Turandot, Isolde: beides Rollendebüts. Und Brünnhilde wartet schon ab 2023/2024 in Saarbrücken auf die Sängerin, Mutter und Ehefrau (mit halbungarischen Wurzeln). Diese Partie hat sie dabei im Grunde schon länger drauf, aber die Pandemie kam dazwischen ...
Wir treffen Asszonyi in Kaiserslautern und laufen in der Nähe des Betzenbergs orientierungslos aber fröhlich durch eine Doppelhaushälftensiedlung. Am Abend wird sie wieder in Saarbrücken sein, zu einer Probe von «Tristan ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Porträt, Seite 56
von Arno Lücker
Natürlich kennen sie das Stück, beide. Wer ernsthaft Theater macht oder Oper, hat seinen «Faust» drauf. Und gewiss können sowohl Lotte de Beer als auch Stefan Herheim noch im Traum jene Passage aus dem ersten Akt zitieren, in der die Titelfigur, nächtlich sinnend, der Welten Lauf zu erklären sucht und schließlich jene Eingebung hat, die seither geflügeltes Wort...
Der Ort ist überwältigend, die reine Natur: unberührt-malerische Landschaft. Das Gebäude hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in diesem Idyll, geradezu abstoßend hässlich. Ein schwarzer, mit Bauxit überzogener Betonklotz, Sprayer haben ihre Graffiti-Spuren darauf hinterlassen, und wenn man sich ihm mit tastenden Schritten über die Hügel von Bouches-du-Rhône nähert,...
Diese Oper, zentrale Premiere der diesjährigen Potsdamer Musikfestspiele, trägt einen höchst eigenwilligen Titel: «I portentosi effetti della Madre Natura», zu deutsch: «Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur». Was könnte damit gemeint sein? Auch wenn das Programmheft suggeriert, man könne darunter den Anbruch eines neuen Wissenschaftszeitalters verstehen oder...
