Ungewohnte Klänge
Das Gras auf der Wiese steht hoch. Ein Storchenpaar überfliegt die menschenleere Straße. Nichts erinnert daran, dass hier in Bottmingen, der finanzkräftigsten Gemeinde des Kantons Basel-Land, an diesem Abend eine Opernvorstellung stattfindet, wären da nicht die Klavierklänge, die sich gelegentlich in das Vogelzwitschern mischen. Das Opernstudio des Theaters Basel spielt «Gianni Schicchi» im Wohnzimmer.
Jeder der 16 Gäste wird vor dem Haus einzeln von einem Ensemblemitglied begrüßt, mit Desinfektionsgel versorgt, ins Wohnzimmer geleitet und zum Krankenbett des reichen Buoso Donati geführt. Das Publikum erlebt eine packende, witzige, musikalisch vibrierende Vorstellung und ist ganz nah dran. Danach steht man zusammen bei einem Glas Weißwein und mediterranen Häppchen im Garten und kommt ins Gespräch. Ein Opernformat mit viel Charme in der Corona-Pandemie.
Was haben die Opernhäuser nicht alles unternommen, um in der vergangenen Saison ein Publikum zu finden. Besetzungen wurden verkleinert, Abstände vergrößert, Kammeropern ausgegraben wie die von Herbert Fritsch inszenierte «Mr. Emmet Takes a Walk» von Peter Maxwell Davies am Theater Freiburg. Das Opernhaus Zürich lagerte das Orchester ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 126
von Georg Rudiger («Badische Zeitung», «NZZ», Freiburg)
In Mozarts Musik gibt es Momente einer unwirklich überwirklichen Hoffnung. Ebenso unwirklich und überwirklich wie die Situation, in der ich sie im vergangenen Jahr, nach viermonatiger Schließung der Konzertsäle und Opernhäuser, erstmals wieder hörte, in «Così fan tutte» bei den Salzburger Festspielen. Man hatte etwas riskiert, in einer unüberschaubaren Lage – die...
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Die dritte Welle der Pandemie scheint überstanden. Man blickt zurück. «À la recherche du temps perdu»? Nein, eine «verlorene Zeit» ist es nicht gewesen. Es war eine Zeit des Innehaltens, eine Zeit zum Ordnen von Eindrücken, zum Überdenken von Positionen, auch eine Zeit des In-Frage-Stellens. Was ist haften geblieben von den Eindrücken, wie Oper unter erschwerten...
