Unerhört
Die Wiederbelebung vergessener und vernachlässigter (Bühnen-) Werke ist seit vielen Jahren das künstlerische Markenzeichen des Festivals della Valle d’Itria. Dass im Palazzo Ducale eine Partitur erklingt, die nie zuvor zu hören war, passiert freilich selbst im auf Raritäten abonnierten Martina Franca nicht alle Tage. Doch mit Saverio Mercadantes 1831 für Madrid komponierter «Francesca da Rimini» stand tatsächlich eine echte Uraufführung auf dem Programm.
Warum das durch Dantes «Inferno» inspirierte Stück (Libretto: Felice Romani) es damals weder in Spanien noch in Italien auf die Bühne schaffte, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Fanden sich keine Solisten, die die heiklen, an Rossini orientierten Gesangspartien hätten bewältigen können? Lag es an den Tücken des gleichsam symphonisch durchgebildeten Orchestersatzes? Auch die aus dem düsteren Stoff abgeleitete dunkle Grundfarbe der Musik mag seinerzeit (noch) für Irritationen gesorgt haben.
Pier Luigi Pizzi inszenierte die Geschichte Francescas – deren historisches Vorbild, Francesca da Polenta, im 13. Jahrhundert von ihrem Mann wegen Ehebruchs ermordet wurde – in karger Kulisse und einer auf das Nötigste beschränkten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 34
von Carlo Vitali
Es sollte die letzte Festivalsaison des langjährigen Intendanten sein. Seit 1982 hatte Raymond Duffaut die Chorégies d’Orange geleitet, viele Sternstunden im antiken Amphitheater sind ihm zu verdanken. Doch sein Abschied kam früher als erwartet: Als der rechtsextreme Oberbürgermeister von Orange vor einigen Monaten seine Stellvertreterin als Vorsitzende des...
Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Das sind, nach Kant, die Grundfragen des auf Vernunft gegründeten Lebens. Sapere aude! – der vor 232 Jahren formulierte Appell des aufgeklärten Geistes aus Königsberg ist bis heute nicht eingelöst. Und erst recht nicht erledigt. Wie ein verdecktes Leitmotiv hallt er durch das Werk von William...
Es mag paradox klingen bei einem Musiker, der sich der Alten Musik verschrieben hat: René Jacobs ist ein Künstler, der immer in die Zukunft blickt, voller Pläne und neuer Ideen. Nur deshalb konnte er so viele unbekannte und vergessene Kompositionen wieder zum Leben erwecken und uns so viele scheinbar vertraute Werke überraschend anders hören lassen. Ich denke an...
