Unendlich vordergründig
Nicht Amiens – Paris – Le Havre – Amerika. In Freiburg begibt Puccinis Oper «Manon Lescaut» sich in Innere der Titelheldin. Ihre Gestalter(innen) sprechen denn auch von inneren Ortswechseln, von ihren «Seelenzuständen». Und solange Yona Kims Inszenierung diese fest im Blick behält, hat auch Manons von der Liebe kaum gebremste Jagd nach Luxus, haben auch ihre Reue und ihr finales Elend starke, eindringliche Momente. Sie werden durch den zentralen Einfall der Bühnenbildnerin Evi Wiedemann noch gefördert.
Über dem Spielrechteck eine Schwadron von Lampenkugeln und Kristalllüstern, die, heruntergefahren, Manons Niedergang begleiten und am bitteren Ende das Ambiente einer Müllkippe suggerieren – der sterbende Mensch als Kehricht, als Opfer der allgegenwärtigen, gesichtslosen (Chor-)Gesellschaft und ihrer Kälte unbrauchbar geworden, der einstige Liebhaber, der immerhin mit Manon nach Amerika floh, desinteressiert, die Hände in den Hosentaschen.
An der Glaubhaftigkeit gerade dieses Details schien das heftig aufbuhende Premierenpublikun gleichwohl zu zweifeln. Wie wohl auch wenige nachvollziehen können, was Manon an ihrem – im Original ältlichen – Galan Geronte vermisst. Dem kernigen ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Heinz W. Koch
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