Erlkönigin speaking!
Endlich entdeckt man flächendeckend die Musik von Komponistinnen! Komponistinnen komponierten im Laufe der Jahrhunderte (wenn überhaupt) aus bestimmten sozialen Milieus und Umständen heraus: vor dem 16. Jahrhundert fast gar nicht, im 17. und frühen 18. Jahrhundert als Nonnen musikbeflissener Klöster, im späteren 18. Jahrhundert als Adelige (oder Adel-Assoziierte), im 19.
Jahrhundert (bei Einverständnis tyrannischer Ehemänner oder Väter) als meist vom Klavier und/oder Gesang kommende Interpretinnen, die irgendwann eigene Werke (bei eigenen Recitals) aufs Notenpult legten – und schließlich im 20. und 21. Jahrhundert bald als künstlerisch frei sich entfaltende Individuen. Alben mit Kunstliedern, die nur von Komponistinnen stammen, sind gleichwohl (noch) Rarität. Golda Schultz und Jonathan Ware schaffen nun Abhilfe.
Die historischen Determinationen, denen das weibliche Komponieren im Laufe der Jahrhunderte unterworfen waren, fängt die Sopranistin im Beiheft ihres Albums sogleich auf: «Wie wäre es, wenn eine Frau ihre Geschichte selbst erzählen würde?» Ihr Klavierbegleiter habe ihr vor Jahren diese Frage gestellt – im Zeichen der Beschäftigung mit Schuberts ewig kreisender ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Arno Lücker
Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt.
Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter.
Stimmen aber faszinieren...
Für gewöhnlich sitzt man im Theater auf seinem Platz und harrt der Dinge, die da kommen. Flanieren geht nur in der Pause. Dass es in Susanne Kennedys Version von Philip Glass’ Oper «Einstein on the Beach» am Theater Basel anders sein wird, erfährt man schon beim Einführungsvortrag: «Das ist ein Abend, den man sich selbst baut», heißt es da. Ein Fall von immersivem...
Es war Sommer in Bayreuth, es war heiß, und man wusste: Die sechsstündige «Götterdämmerung» würde wohl doch eher eine Menschendämmerung sein, oder besser: eine Menschenkörpererwei- chung durch fortwährende Schweißausbrüche. Inhaberinnen und Inhaber eines gut funktionierenden Deos mochten im Vorteil sein, ihre Ausdünstungen würden sich als weniger schlimm erweisen...
