Und das Schöne lebt nur im Gesang
Wo anfangen, wo enden? Diese Frage wird sich vermutlich auch der Autor dieses bestechend kaleidoskopischen Ideen-Panoramas gestellt haben. Die Antwort darauf aber muss weder Norbert Abels noch sonst jemand finden. Der «Stoff, aus dem die Opern sind» gibt sie selbst: die Fülle der Gedanken(spiele) und Assoziationen, die nie je von Blässe angekränkelt sind, sondern durchflutet von einem enormen Wissen, von der Kenntnis nicht nur einer «Materie», und vor allem von der stupenden Lust auf Mitteilung, die sich schon im Titel andeutet.
«Tonfabeln», heißt der dritte Teil einer Trilogie, die der Dramaturg, Dozent, Publizist, Musiker und Homme de lettres vor gut 15 Jahren mit dem «Ohrentheater» begonnen hatte; ihre Fortsetzung fand sie mit dem Essay-Band «Notenlese», nun folgt der krönende Abschluss, wiederum in drei Teilen: Der erste Abschnitt «Cantus facio, ergo sum» beschreibt mit gleichsam cartesianischer Strenge Wesen und Wirkung von Musik und Ästhetik und denkt über die synkretistische Kunstform Oper nach. Im Mittelblock («Over the rainbow») wirft der gewiefte und (musik-) geschichtsphilosophisch überaus bewanderte Dramaturg noch einmal einen tiefsinnigen Blick auf die beiden Genies ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 49
von Jürgen Otten
Manhattan kann magisch sein – wenn man das nötige Kleingeld hat, um den Spaß zu finanzieren, der die Magie auszulösen vermag. Jene beiden Paare, die noch bei Lorenzo Da Ponte (der sein letztes Lebensdrittel in New York verbrachte, vom Obst- und Gemüsehändler in der Bowery zum Professor mutierte und wehmütig wie zahnlos auf sein an Amouren reiches Leben...
Ist das ein Handlungsballett, eine Tanzphantasie oder doch eine typische Operninszenierung, was Wim Vandekeybus auf die Bühne in Antwerpen bringt? In jedem Fall ist es Musiktheater, schließlich wird die Geschichte von Bizets «Carmen» mit Gesang erzählt, nur eben ganz anders als sonst und ohne jeden Folklorismus. Bei Vandekeybus geht es um Archaik, Mystik, um...
Anders als in anderen Ländern Europas verbringt der aufrechte französische Opernfan selbst den Heiligen Abend gern im Opernhaus oder Konzertsaal. Ob allerdings auch Napoleon ein solcher Aficionado war, als er beschloss, am 24. Dezember 1800 der französischen Erstaufführung von Haydns «Schöpfung» (alias «La Création du monde») in der Pariser Oper beizuwohnen, darf...
