Ein bisschen Frieden
Siebenundzwanzig Takte gewähren nicht gerade viel Zeit und Raum, so man eine dichtgewebte Atmosphäre kreieren möchte.
Giuseppe Verdi jedoch genügten sie, um das Meer vor Genua in klangmalerische, fast impressionistische Töne zu fassen – wie es wogt und schäumt, sanft hin- und herschaukelt in der Abendsonne, wie es erst vorsichtig (pianissimo), später dann, ab Takt 20, noch schüchterner (dreifaches piano!) gegen die zerklüfteten Felsen am Gestade der ligurischen Hafenstadt klopft, ja, wie es im Grunde zum Seelenabbild eines Mannes wird, der Verdi sein könnte (der Komponist bezog 1866 mit Gemahlin Giuseppina sein Winterquartier in Genua), aber Simon Boccanegra ist. Jener Plebejer, der dort von 1339 bis zu seinem Tod 24 Jahre lang das hohe wie heikle Amt des Dogen bekleidete und durch einen hinterhältigen Giftanschlag sein Leben verlor. Ihm widmet Verdi (in der von ihm selbst autorisierten, dramaturgisch wie musikalisch weit konziseren Version von 1881) den Prologo seines «Simon Boccanegra». Den Tonfall und ebenso die Tonart für die leicht dämmrige Anmut des Entrées kennen wir von Beethoven, aus dessen Klaviersonate op. 109; da wie hier scheint zarte Empfindsamkeit durch, wobei es im ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Ein Trauerspiel ist’s. Aber keines in fünf Akten, wie gewöhnlich, sondern eines, das sich über fast sieben (nicht gar so gute) Jahre hinwegzieht und aus rund 70 Briefen und Telegrammen besteht. Die Protagonisten sind der Hofoperndirektor Gustav Mahler und ein Sänger, genauer: ein Tenor. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an. Tenöre können Götter sein, wenn...
Musik bewegt sich immer in der Zeit – selbst im Falle rigoroser Verweigerung muss sie irgendwann weiter, und wenn es in einem Jahr ist. Ein Gemälde ist offensichtlich das Gegenteil davon; alles, was darauf zu sehen ist, wurde hineingezwungen in einen ewigen Stillstand. Umso schneller, das hat eine ironische Seite, kann der Mensch, der es sich anschaut, weitereilen....
Man muss sich schon große Mühe geben, um in Don Alfonso etwas anderes zu sehen als einen verdrucksten Frauenverächter. Aber warum sollte man überhaupt? Am Theater Heidelberg lässt Magdalena Fuchsberger ihn stattdessen einmal kräftig ausspucken, obwohl James Young eine so adrette weiße Perücke trägt und feinen schwarzen Zwirn. Da schau her, so einer ist das!
Die...
