Und am Ende das Licht
Gott war schon mal zu Besuch in Berlin-Mitte. Ist lange her, wohl mehr als ein Vierteljahrhundert, aber unvergessen. Problematisch wurde es durch einen anderen störrischen Gast: Friedrich Nietzsche, einer seiner wichtigsten Kontrahenten, weilte ebenfalls in der Stadt. Und so kam es, wie es kommen musste.
Die beiden prallten aufeinander wie zwei Protonen, und sie waren, was wenig verwundert, uneins in einer der wesentlichsten Fragen unserer Existenz: Existiert Gott? Oder existiert er nicht? Der Philosoph hatte dazu eine entschiedene Meinung, die er an einem Abend im (wenig gottesfürchtigen) Berliner Ensemble – aufgeführt wurde George Taboris Schauspiel «Mein Kampf» – auch deutlich zu Protokoll gab: «Gott ist tot», so stand es weiß auf schwarzem Leinwandrechteck geschrieben, in Klammern gezeichnet von «Nietzsche». Nach wenigen Sekunden erlosch die Schrift, das Publikum starrte ins Nachtdunkel, etwa eine Minute lang. Dann kam der Konter: «Nietzsche ist tot (Gott)».
Was tun? Wem glauben? Philosophisch ließe sich die Frage lösen, so man sie aus ihrer dialektischen Negativität heraus versteht. Demnach ist allein die Tatsache, dass die Nicht-Existenz Gottes unbeweisbar ist, der ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Jürgen Otten
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