Unaufhaltsam
Das ist Murphys Gesetz: Ausgerechnet der Titelrollentenor hat krankheitshalber keine Stimme. Spielt also stumm und lässt sich vokal vom Kollegen an der Seite vertreten. Ausgesprochen misslich, zumal bei einer Premiere, passiert aber schon einmal. Eine Steigerung gefällig? Bitte schön: die Zweitvorstellung des Salzburger «Idomeneo». Der Seitensänger darf die Partie komplett übernehmen, ist aber selbst schwer indisponiert – ohne dass man dies vorher der Dirigentin gesagt hätte.
Dazu sitzen im Graben einige neue Musiker; Teile des Mozarteum-Orchesters sind von einer Tournee zurückgekehrt. Und das Beste: Man merkt Mirga Gražinytė-Tyla nichts an. Keine Irritation, im Gegenteil. Dieser «Idomeneo» im Landestheater stellt musikalisch nicht nur alle aktuellen Mozart-Anstrengungen der benachbarten Festspiele in den Schatten (was zugegebenermaßen nicht besonders schwierig ist), er bewegt sich auch im internationalen Vergleich auf hohem Niveau. Der Topos «historisch informiert» umschreibt das nur annäherungsweise. Athletisch und streng klingt diese Deutung, aus der Lyrismen umso stärker hervortreten. Klug analysiert, aber nie verzettelt. Im Dauer-Brio, jedoch nicht verhetzt ...
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Tschaikowsky selbst vergoss nach eigenem Bekenntnis Tränen, als er Puschkins unglücklich liebende Spielernatur Hermann in den sicheren Untergang begleitete, und seine Erschütterung spiegelt sich in der Musik, die sich durchgehend in einem Bereich zwischen Herzflimmern und Herzrasen bewegt. Da kündigt sich schon der Komponist der «Pathétique» an. Im Ulmer...
Der Winter zieht hier nicht als Bedrohung ein. Groß sind die «Flocken», die aus schwarzen, aufgerissenen Säcken quellen, rund, weiß und leicht. Ein Bällebad, in dem man untergehen, wieder auftauchen und sich treiben lassen kann. Es ist ein poetisches Spiel mit Chiffren und Symbolen, das Regisseur Torsten Fischer da treibt, mehr Shakespeare als Schenkelklopfer....
Luxemburg – das lag im Jahr 1909 für die Schöpfer des «Grafen von Luxemburg» mindestens so weit entfernt wie Pontevedro in Franz Lehárs berühmtestem Vorgängerwerk, der «Lustigen Witwe». Aus den politisch ohnmächtigen Randbezirken der Großreiche kamen damals noch nicht die ausgebufften Trickser der Großfinanz, sondern verschwendungssüchtige Aristokraten, die...
