Liri, lari, larifari
Luxemburg – das lag im Jahr 1909 für die Schöpfer des «Grafen von Luxemburg» mindestens so weit entfernt wie Pontevedro in Franz Lehárs berühmtestem Vorgängerwerk, der «Lustigen Witwe».
Aus den politisch ohnmächtigen Randbezirken der Großreiche kamen damals noch nicht die ausgebufften Trickser der Großfinanz, sondern verschwendungssüchtige Aristokraten, die der morbiden Stimmung der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg ihr Motto entgegenbrüllten: «So liri liri lari, das ganze Moos ist tschari!»
In Jens-Daniel Herzogs szenischer Lesart am Düsseldorfer Opernhaus liegt der kahlköpfige Bo Skovhus als René Graf von Luxemburg erst einmal am Boden – in düsterer Bühnenleere, niedergestreckt vom Champagner-Kater und der totalen finanziellen Ebbe. Karnevalsjecken packen ihn in einen Einkaufswagen und karren ihn zum «Liri lari»-Lied ins schwarze Loch, ein riesiger Rattenkopf blinkt dazu mir roten Augen. Man macht sich auf das Schlimmste gefasst – mindestens auf den Ausverkauf des kapitalistischen Systems, Europas und der guten Sitten.
Nach dieser vielversprechenden Eröffnung scheint sich Herzog jedoch plötzlich daran zu erinnern, dass Weihnachten und der Düsseldorfer Karneval vor ...
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Hübsch hier. Die verwinkelte Innenstadt, der langgestreckte Marktplatz, eingerahmt von sanierten Altbauten. Im Rathaus aus dem 16. Jahrhundert der obligatorische Ratskeller. An diesem Adventssonntag sind im ostthüringischen Altenburg einige Buden geöffnet, es riecht nach Bratwurst, aus den Lautsprechern dringt, etwas zu laut, nicht ganz so weihnachtliche...
Was für ein Herrscher! Nicht nur faul, feist und fett ist er, sondern auch noch dumm, primitiv und überheblich. Aufs Regieren hat er definitiv keine Lust. Den lieben langen Tag vergammelt er unrasiert, unfrisiert im gestreiften Schlafanzug unter dem Plumeau seines Donald-Trump-protzigen Bettes, seine beiden Söhne jagt er allein aus Bequemlichkeit in die Schlacht....
«Spezialisten», meinte Nikolaus Harnoncourt vor Jahren im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen, «betrachte ich mit Misstrauen. Denn wenn ich etwa nur Musik des Barock spiele, verliere ich den Kontakt zu dem, was künstlerisch sonst noch geschah und geschieht. Das Blickfeld wird eng, was man auch der Interpretation anhört ...» Wenngleich die älteste zur...
