Liri, lari, larifari

Lehár: Der Graf von Luxemburg
Düsseldorf | Oper

Opernwelt - Logo

Luxemburg – das lag im Jahr 1909 für die Schöpfer des «Grafen von Luxemburg» mindestens so weit entfernt wie Pontevedro in Franz Lehárs berühmtestem Vorgängerwerk, der «Lustigen Witwe».

Aus den politisch ohnmächtigen Randbezirken der Großreiche kamen damals noch nicht die ausgebufften Trickser der Großfinanz, sondern verschwendungssüchtige Aristokraten, die der morbiden Stimmung der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg ihr Motto entgegenbrüllten: «So liri liri lari, das ganze Moos ist tschari!»

In Jens-Daniel Herzogs szenischer Lesart am Düsseldorfer Opernhaus liegt der kahlköpfige Bo Skovhus als René Graf von Luxemburg erst einmal am Boden – in düsterer Bühnenleere, niedergestreckt vom Champagner-Kater und der totalen finanziellen Ebbe. Karnevalsjecken packen ihn in einen Einkaufswagen und karren ihn zum «Liri lari»-Lied ins schwarze Loch, ein riesiger Rattenkopf blinkt dazu mir roten Augen. Man macht sich auf das Schlimmste gefasst – mindestens auf den Ausverkauf des kapitalistischen Systems, Europas und der guten Sitten.

Nach dieser vielversprechenden Eröffnung scheint sich Herzog jedoch plötzlich daran zu erinnern, dass Weihnachten und der Düsseldorfer Karneval vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Michael Struck-Schloen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Opernwundertüte

Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt und Professor an der Folkwang Hochschule Essen, ist einer der klügsten, umtriebigsten Dramaturgen der Republik und als Essayist gewiss der produktivste und inspirierendste. 2009 hat er unter dem hintersinnigen Titel «Ohrentheater» im Frankfurter Axel Dielmann-Verlag eine 800-Seiten-Sammlung seiner (zuvor meist in...

Ich bin dein Licht

«Spezialisten», meinte Nikolaus Harnoncourt vor Jahren im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen, «betrachte ich mit Misstrauen. Denn wenn ich etwa nur Musik des Barock spiele, verliere ich den Kontakt zu dem, was künstlerisch sonst noch geschah und geschieht. Das Blickfeld wird eng, was man auch der Interpretation anhört ...» Wenngleich die älteste zur...

Leeranzeige

Die Offenbach’sche Operette, so Karl Kraus, sei die Apotheose «einer verantwortungslosen Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt». Kraus konnte nicht mit Armin Petras rechnen, der «Orpheus in der Unterwelt» mit einem Einfall rahmt, der der beißenden Satire auf die Bourgeoisie im Kaiserreich des dritten Napoléon die...