Räuberpistole
Anfang der 1890er-Jahre, als Mascagnis Überraschungs-Hit «Cavalleria rusticana» eine Verismo-Welle auslöste, auf der bald viele junge Tonsetzer erfolgreich mitschwammen, mag sich Jules Massenet in Paris gedacht haben: Na wartet, Bürschchen, euch zeige ich, wer der Meister aller Klassen ist! Und er hatte auch schon eine Interpretin zur Hand, die seinen Beitrag zur neuesten Musiktheatermode überzeugend verkörpern würde: Emma Calvé.
Auf ein 45-minütiges Räuberpistolenlibretto mit spanischem Sujet schrieb er eine Musik, die in ihrer lodernden südlichen Leidenschaft wie auch in der Robustheit ihrer Instrumentation auf den ersten Blick so gar nicht zu den zartgliedrigen Werken passen wollte, die Massenet zuvor in den Salons berühmt gemacht hatten.
Gerade darum schlug die Uraufführung 1894 in London ein wie eine Bombe, Queen Victoria wünschte sich für Windsor umgehend eine Privataufführung der tragischen Geschichte vom Soldaten Araquil, der die mittellose Anita aus Navarra liebt. Sein wohlhabender Vater will der Heirat nur zustimmen, wenn das nicht standesgemäße Mädchen eine Mitgift vorweisen kann. Daraufhin schleicht sich die verzweifelte Anita ins feindliche Lager, verführt und tötet ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Frederik Hanssen
JUBILARE
Roberta Alexander stammt aus Virginia und wuchs in einer Musikerfamilie auf. 1969 begann sie ihr Studium an der University of Michigan in Ann Arbor. Im Alter von 23 Jahren setzte sie ihre Ausbildung bei Herman Woltman am Königlichen Konservatorium in Den Haag fort. Die Sopranistin debütierte 1975 an der Niederländischen Oper in Rossinis farsa comica «La...
Der Himmel über Paris, so zumindest will es unsere Fantasie, war strahlend blau an jenem Junitag des Jahres 1669, der als eine Art Gründungsmythos in die Annalen der (französischen) Musikgeschichte Eingang gefunden hat. Denn an diesem Tag zeigte sich der launische Sonnenkönig Ludwig XIV. von seiner charmantesten Seite: Er gewährte dem schriftstellernden Abbé...
Nur der neonweiße Rahmen bietet Halt. Ein hell fluoreszierender Streifen, der das gesamte Bühnenportal einfasst. Zum Bild wird so der Raum, zu einem Tableau vivant, das meist in mattes, diffuses Licht getaucht ist, nebelverschleiert, dunstig verhangen. Konturen und Kontraste verfließen, die Ordnung der Dinge scheint aufgehoben. Wie in der malerischen Filmkunst des...
