Überfällige Mission
Am Anfang», sagt James Conlon und nuckelt an seiner zuckerfreien Starbucks-Spezialorder, «war es eine Faszination, die allmählich und ganz organisch zu einer Leidenschaft gewachsen ist.» Dabei zeigt der 57-Jährige noch immer alle Anzeichen heftigster Verliebtheit: Sobald er über Alexander Zemlinsky sprechen kann, über Ernst Krenek, Erich Wolfgang Korngold, Walter Braunfels und Viktor Ullmann, braucht man schon Gesprächsführung für Fortgeschrittene, um seinen Wasserfall der Begeisterung wenigstens zu unterbrechen.
Zwei Bedingungen stellte James Conlon, als er Music Director der Los Angeles Opera werden sollte: Wagner musste sein, einmal jährlich. Und er forderte eine Bühne für die einst Verfemten. Daraus wurde «Recovered Voices», ein Projekt, das in seiner zweiten Saison bereits aus einem Topf von 5 Millionen Dollar privater Gelder schöpfen kann.
Auf den ersten Blick ist es wieder so eine Geschichte mit Hitler. Ein Nazi-Thrill. «New Life for Works Hitler tried to Kill», gurrt die New York Times und staunt, dass ausgerechnet im traditionell geschichtsvergessenen Los Angeles die verdrängten Komponisten «Entarteter Musik» ein prominentes Forum erhalten.
«Es gibt gar keinen besseren ...
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Ohne großen Auftritt kommt Cecilia Bartoli nicht auf die Bühne. Bei der konzertanten Aufführung von Bellinis «La sonnambula» im Festspielhaus Baden-Baden rauscht die Diva im weißen Brautkleid mit langer Schleppe ein und flirtet sogleich mit den Zuhörern in der ersten Reihe. Wenn Bartoli als Amina in der mit Höchstschwierigkeiten gespickten Kavatine «Sovra il sen la...
Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis...
Alceste, mon amour. Alceste, mio amore. Alkeste, meine Liebe. In welcher Sprache sie auch besungen wird: Wer an diese Frau denkt, muss unweigerlich ans «Fidelio»-Ende denken. Wer ein holdes Weib errungen, stimme in den Jubel ein. Bei Alkestis, der Königin, wie sie bei Euripides erscheint, ist es allerdings eher eine nach innen gewendete Freude, ein Sich-Verneigen...
