Überfällige Mission

Zemlinsky und Ullmann in Los Angeles: Clemens Prokop über die Reihe «Recovered Voices»

Opernwelt - Logo

Am Anfang», sagt James Conlon und nuckelt an seiner zuckerfreien Starbucks-Spezialorder, «war es eine Faszination, die allmählich und ganz organisch zu einer Leidenschaft gewachsen ist.» Dabei zeigt der 57-Jährige noch immer alle Anzeichen heftigs­ter Verliebtheit: Sobald er über Alexander Zemlin­sky sprechen kann, über Ernst Krenek, Erich Wolfgang Korngold, Walter Braunfels und Viktor Ullmann, braucht man schon Gesprächsführung für Fortgeschrittene, um seinen Wasserfall der Begeisterung wenigstens zu unterbrechen.


Zwei Bedingungen stellte James Conlon, als er Music Director der Los Angeles Opera werden sollte: Wagner musste sein, einmal jährlich. Und er forderte eine Bühne für die einst Verfemten. Da­raus wurde «Recovered Voices», ein Projekt, das in seiner zweiten Saison bereits aus einem Topf von 5 Millionen Dollar privater Gelder schöpfen kann.
Auf den ersten Blick ist es wieder so eine Geschichte mit Hitler. Ein Nazi-Thrill. «New Life for Works Hitler tried to Kill», gurrt die New York Times und staunt, dass ausgerechnet im traditionell geschichtsvergessenen Los Angeles die verdrängten Komponisten «Entarteter Musik» ein prominentes Forum erhalten.
«Es gibt gar keinen besseren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Clemens Prokop

Vergriffen
Weitere Beiträge
Flops, fortgesetzt

2006 wurde in Köln Jan Müller-Wielands «Held der westlichen Welt» präsentiert – ein buntes Stil-Crossover mit prächtigen (Quasi-)Zitaten zur schwarzen Komödie des John M. Synge: Das trunkene, maulheldenhafte, trostlose Irland von 1907 diente einem Hartz-IV-Musik­theater mit Berliner Volksbühnen-Charme als Vorlage. Nun kam mit «Rotter» das Gegenstück an den...

Ohne besondere Vorkommnisse

Die Bewunderung seiner komponierenden Zeitgenossen war ihm sicher. Wer während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rad der Musikgeschichte weiterdrehte, lobte die Bühnenwerke des aus Florenz stammenden Wahl-Franzosen Luigi Cherubini über den grünen Klee. Brahms etwa erblickte in der 1797 uraufgeführten «Medée» gar «das Höchste in dramatischer Kunst». Weber...

Ohne Götter wäre die Welt besser

Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis...