So fragil, so kostbar

Cecilia Bartoli bezaubert unter Thomas Hengelbrock in Baden-Baden als Bellinis Sonnambula

Opernwelt - Logo

Ohne großen Auftritt kommt Cecilia Bartoli nicht auf die Bühne. Bei der konzertanten Aufführung von Bellinis «La sonnambula» im Festspielhaus Baden-Baden rauscht die Diva im weißen Brautkleid mit langer Schleppe ein und flirtet sogleich mit den Zuhörern in der ersten Reihe.

Wenn Bartoli als Amina in der mit Höchstschwierigkeiten gespickten Kavatine «Sovra il sen la man mi posa» ihre Liebe zu Elvino besingt, tut die Mezzo­sopranistin das so, wie wir es kennen: mit Kopfschütteln und Augenrollen, mit wendigen, leicht meckernden Koloraturen, mit gelegentlich herausstechenden Spitzentönen. Ihre schauspielerische Um­setzung der Eifersuchtsszene mit Elvino (Celso Albelo) hat etwas von Kinder­theater. Je länger aber der Abend dauert, desto intensiver wird Bartolis Spiel – und ihr Gesang. Besonders die beiden großen Szenen als Schlafwandlerin gelingen beeindruckend. Bartolis szenische Zurückhaltung schafft hier Intensität, die sich auch musikalisch ausdrückt. Das Manierierte weicht einem natürlicheren, stets vom Piano ausgehenden Melodie­fluss; die für den Belcanto immens wichtige Balance zwischen allen Registern gelingt immer besser.
Dass der stürmisch gefeierte Abend letztlich zu einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Magazin, Seite 30
von Georg Rudiger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vexierbilder der Gewalt

Der erste Schock stellt sich ein, wenn der Vorhang hochgeht. Man fühlt sich in ein Filmstudio oder ins Laientheater versetzt: links das Portal einer Kirche – die Handlung spielt 1414 zur Zeit des Kons­tanzer Konzils –, rechts das schmu­cke Fachwerkhaus des jüdischen Goldschmieds Eléazar, dazwischen ein Platz, der den Blick auf einen Wehrgang freigibt. Ein...

Am Mythos vorbei

Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder...

Händel: Tamerlano

Auf der Riesenbühne des Nationaltheaters ein kleines Barocktheater nachbauen zu wollen, ist schlicht absurd. Aber da Münchens neuer «Tamerlano» mit Drottningholm koproduziert wurde, verfielen Regisseur Pierre Audi und Bühnen- und Kostümbildner Patrick Kinmonth auf die Idee, einfach ein paar grüne, gold­verzierte Portalhänger in den Bühnenraum einzupassen. Dazu...