Ohne Götter wäre die Welt besser

Domenico Bellis Anti-«Orfeo» und Marais’ «Sémélé» in hinreißenden Aufnahmen

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Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis 35-minütiger «Orfeo» ist zwar «nur» eine Ansammlung von fünf Intermedien, die anlässlich der Karnevalsfeierlichkeiten im Uffizien-Palast zwischen die Akte von Torquato Tassos Schäferspiel «Aminta» eingeschoben wurden.

Spielt man sie aber, wie Vincent Dumestre und sein Ensemble Le Poème Harmonique, hintereinander (was der Untertitel «Favoletta» rechtfertigt), so zeichnet sich eine Oper ab, die sich mit jeder Note und jedem Vers auf Monteverdi/Striggios Favola «Orfeo» zu beziehen und sie pessimistisch übertrumpfen zu wollen scheint: Ausgangspunkt ist nicht der erste Tod der Euridice, sondern ihr zweiter. Die Musik hat ihre Macht verloren, Pluto bleibt diesmal hart, Proserpinas unirdisch-chromatische Fürsprache versagt, statt Vater Apoll tritt Mutter Calliope auf, nicht um ihren Sohn unsterblich zu machen, sondern um ihn zu ...

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Opernwelt Mai 2008
Rubrik: CDs, Seite 69
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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