Überfällig
Holger Falk und sein Klavierpartner Steffen Schleiermacher haben ihre langjährige diskographische Erkundung von Liedern der franzö -sischen «Groupe des Six» mit dem Louis Durey (1888–1979) gewidmeten neunten Album soeben abgeschlossen. Durey war nur kurze Zeit Anhänger des von Jean Cocteau am Ende des Ersten Weltkriegs gestifteten losen Zusammenschlusses junger Komponisten. Als Außenseiter distanzierte er sich schnell wieder von dieser Gruppe. Wer ihn und sein Schaffen nicht kenne, liest man allenthalben, habe nichts verpasst.
Dass er 1936 in die Kommunistische Partei eintrat, sich im Arbeiter-Musikverein der «Fédération Musicale Populaire» engagierte, später Musikkritiker des Parteiorgans «L’Humanité» wurde, Maos langem Marsch zur Macht 1949 mit einer Kantate huldigte, gar ungelenke Propagandaverse Ho-Chi-Minhs vertonte, ließ ihn vollends zur Unperson werden. Doch seine Lieder sprechen eine andere Sprache und kehren das Urteil um. Wer diese CD hört, wird ein bedeutendes Zeugnis französischer Liedkunst entdecken.
Durey war kein Bürgerschreck, der wie Milhaud Werbeanzeigen vertonte oder wie Poulenc dadaistische Nonsens-Verse. Er verweigerte sich Cocteaus Ideal einer einfachen Musik ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 35
von Uwe Schweikert
Zu den flirrenden Klängen der Ouvertüre wird in Tom Goossens’ Inszenierung von Verdis «La traviata» ein großer Scheinwerfer hinabgesenkt. Über ein meterlanges Kabel ist er mit einem Schaltpult verbunden, das von der Titelheldin selbst bedient wird. Immer mehr dieser Leuchtmittel senken sich herab und tauchen die Bühne in reines, strahlendes Licht. Es zeigt Violetta...
Mögen auch gleich drei der beteiligten Damen, die echte Barbara Delacqua sowie zwei strategisch eingesetzte Doppelgängerinnen, im Minirock des klassischen Supergirl-Outfits stecken, so haben sie doch die Hosen an in dieser Neuinszenierung der «Nacht in Venedig» durch Nina Spijkers, mit deren Premiere das Haus am Gürtel den 200. Geburtstag von Johann Strauß (Sohn)...
Georges Aperghis beteuerte gern, dass sich in seinen Gedanken beim Komponieren «immer so ein kleines imaginäres Theater» abspiele. So auch bei den Donaueschinger Musiktagen 2025, wo seine «Tell Tales» uraufgeführt wurden, eine Art virtuelles Musiktheater. Eine Viola und sechs Stimmen erzeugen darin eine Geschichte mit den Mitteln polyphoner Klanginterventionen –...
