Gegen das Vergessen

Marcel Brunner und Äneas Humm erkunden Lied-Außenseiter des frühen 20. Jahrhunderts

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Remembrance» hat Marcel Brunner sein Debütalbum genannt, das mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Lieder präsentiert, in denen die Schrecken der beiden Weltkriege reflektiert werden. Er erinnert dabei auch an den hochbegabten Rudi Stephan, der 27-jährig bereits im ersten Kriegswinter 1915 an der Front starb. Es sind «ernste Gesänge» in Anlehnung an Brahms’ berühmten Zyklus – so der Übertitel der beiden nachdenklichen Lieder «Am Abend» und «Memento vivere» im Tonfall eines herben Expressionismus.

Stilistisch deutlich älter und noch ganz der Spätromantik, ja dem Klassizismus verpflichtet mit ihrer introvertierten musikalischen Sprache sind die «Sechs Gesänge aus ernster Zeit» des aus Mannheim stammenden Robert Kahn, der seit 1894 an der Berliner Musikhochschule unterrichtete, als Jude 1939 Deutschland verlassen musste und im englischen Exil starb. Vergleicht man das «Wunderhorn»-Lied «Urlicht» mit Mahlers berühmter Vertonung, so fehlt Kahns zergrübelt und zäh auf der Stelle tretender Musik jede Magie – ein Manko, das durch Brunners arg einförmige, deklamatorisch wenig bezwingende Wiedergabe noch verstärkt wird. Selbst Hanns Eislers wirkungssicheren Brecht-Songs und Charles Ives’ ...

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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 36
von Uwe Schweikert

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