Überambitioniert
Schmutzige, düstere Schäbigkeit, ein aufgegebenes Hochhaus bietet den Opfern der Geschichte und der zerstörten Natur Unterschlupf. Die Stadt Babylon wurde zerstört, nie wieder soll sie erbaut werden – so zitiert ein «Skorpionmensch», ein Cyborg mit metallenem Stachel, alttestamentarische Propheten zu Beginn der Oper «Babylon» von Jörg Widmann und Peter Sloterdijk.
Nach der Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper gönnt sich die Berliner Lindenoper die zweite Produktion des Werks; und damit das nicht ganz so nachgeordnet und zweitrangig klingt, nennt auch sie sich «Uraufführung» – der zweiten, um 20 Minuten gekürzten Fassung nämlich.
Hier sollen die ganz großen Themen gewälzt werden – oder doch nicht? Nach dem düsteren Vorspann beginnt die Handlung entspannt: Eine Frauenstimme namens «Seele» beklagt in einer langen Arie die Trennung von ihrem «liebsten Freund, ihrem Selbst». Der wiederum, Tammu heißt er und ist ein jüdischer Exilant in Babylon, singt in einer ebenfalls ausladenden Arie von seinem Begehren der Liebespriesterin oder -göttin Inanna, die als gackerndes Mädchen im roten knappen Glitzerkleid auftritt. Mit ihr stimmt Tammu ein langes Duett an, das in die Worte «Wo du ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Uehling
Diese späte Oper gehörte lange nicht zum Kanon seiner Hauptwerke für die Bühne: «La clemenza di Tito». Selbst in den Mozart-Hochburgen Salzburg und Glyndebourne blieb sie hartnäckig ausgeblendet. Die erste Studioaufnahme entstand erst 1967 unter István Kertész (Decca). Eine jetzt erstmals publizierte Rundfunkproduktion der BBC von 1956 darf man unter diesen...
Alma hätte gerne viel mehr gewollt, aber ihr Mann war nicht bereit, es ihr zu gewähren. Clara hingegen hätte gedurft, doch sie traute es sich nicht so recht zu. Unterschiedlicher hätten Alma Mahlers und Clara Schumanns eheliche Positionen als Tonschöpferinnen nicht sein können: Während Gustav Mahler das Komponieren seiner Frau mit Eifersucht beobachtete, suchte...
«Das letzte Theater vor New York», so prangte es ebenso reißerisch wie augenzwinkernd auf der letztjährigen Spielzeitvorschau des Stadttheaters Bremerhaven. Intendant Ulrich Mokrusch weiß sein Haus zu verkaufen, und das mit einem Erfolg, der jetzt auch internationale Dimensionen annimmt. Denn nahezu gleichzeitig mit der Nachricht von dessen Vertragsverlängerung...
