Fetzen, Funken, Fettnäpfchen
Man muss sich die Szene nicht vorstellen, um zu wissen, wie viel Pfeffer auf den Tellern lag – die Namen der Beteiligten genügen: Joachim Kaiser, Marcel Reich-Ranicki, beide Träger des Ludwig-Börne-Preises, in ihrer Mitte, moderierend, August Everding. Drei verblichene Titanen des Kulturbetriebs, versammelt auf einer Bühne im beschaulichen Garmisch-Partenkirchen.
Anlässlich der Richard Strauss-Tage 1995 kam es zu diesem furiosen Veteranentreffen, und das Thema barg jede Menge Zündstoff: Es ging hier um die altbekannte Frage, ob nun die Poesie gehorsame Tochter der Musik sein solle, oder nicht womöglich exakt das Gegenteil wünschenswert sei.
Wie vergnüglich die Unterhaltung der drei gelehrten Republikaner war, und wie aktuell sie heute noch ist, Jahre nach ihrem Tod, dokumentiert ein überaus amüsantes Buch mit dem Titel «Prima la musica, dopo le parole», das jetzt im Westend Verlag erschienen ist. Die Lektüre nimmt nicht mehr als zwei Stunden in Anspruch, aber es sind zwei Stunden, in denen man viel erfährt über die Geschichte(n) der Oper und noch mehr, wie sehr sich kluge Menschen manchmal gegenseitig in die Pfanne hauen und dabei noch anlächeln konnten, weil sie Freunde waren ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jürgen Otten
alpha
05.05. – 20.15 Uhr
Vineta – Versunkene Stadt
Der «Echo Klassik» in der Kategorie «Ensemble/Orchester des Jahres» ging 2014 an den Chor des Bayerischen Rundfunks für eine CD mit Chormusik von Alfred Schnittke und Arvo Pärt. Teile daraus finden sich auch im Soundtrack zu dem experimentellen Konzertfilm «Vineta – Vokale Visionen».
arte
05.05. – 17.40 Uhr
Andris...
Sommer 1809: Ganz Europa ist von Napoleon besetzt. Französische Truppen stehen in Dresden und Warschau, Triest und Hamburg. Marionetten aus Bonapartes Verwandtschaft regieren in Madrid, Kassel und Neapel. Ganz Europa? Nein, in Parma hält ein Graf Scotti Hof, als sei das Ancien Régime nie untergegangen. Bei dem in der Heimat weilenden Ferdinando Paer bestellt er...
Sein Blick richtete sich stets nach vorn. «Ich lebe keine Sekunde in der Vergangenheit», betonte Harry Kupfer 2002, anlässlich seines Abschieds von der Komischen Oper, im Gespräch mit dem Berliner «Tagesspiegel». 21 Jahre hatte er da an der Spitze des Hauses gestanden, länger sogar, als es dem Gründer Walter Felsenstein vergönnt war. «Und doch kommt es mir vor,...
