Über alle Grenzen hinweg

Eine echte Wiederentdeckung: Matthew Lockes «Psyche»

Opernwelt - Logo

Wir nehmen an, es war eisig kalt an diesem 27. Februar 1675 in London und vermutlich neblig dazu. Draußen zumindest. Drinnen aber, im frisch renovierten Dorset Garden Theatre, brannte sogar die Luft. Ein Spektakel gab es da zu erleben, das seinesgleichen suchte, mit Höllenund Himmelsmaschinen, üppigen Kostümen, frech-frivolen Tanzeinlagen und einer hinreißenden wie arabeskengleichen Musik. An diesem Abend erlebte die englische Metropole die (verspätete) Uraufführung eines Werks, das anlässlich der Hochzeit des späteren Königs James II.

mit Maria von Modena schon zwei Jahre zuvor in Auftrag gegeben worden war, nach seiner Erstbesichtigung lange Zeit für Gesprächsstoff unter den Londoner Kulturschaffenden sorgte, heute aber so gut wie vergessen ist: die dramatick opera «Psyche». Das Libretto stammte aus der Feder von Thomas Shadwell.

Matthew Locke und Giovanni Battista Draghi hatten die Musik komponiert. Während Lockes Part erhalten ist, sind die Tanzmusiken und instrumentalen Einlagen Draghis verschollen – was der Aura dieser Oper jedoch keinen Abbruch tut. Beleg ist die vorliegende Aufnahme mit dem von Sébastien Daucé geleiteten Ensemble Correspondances. 

Mit «Psyche» gelangte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 22
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Im Westen nichts Neues

Eine Ansage vor dem geschlossenen Vorhang verheißt selten etwas Gutes. In Essen muss die neue Intendantin Merle Fahrholz vor der Premiere von «Lucrezia Borgia» gleich mehrere krankheitsbedingte Umbesetzungen verkünden, darunter auch die zweier tragender Partien: Anstelle von Jessica Muirhead übernimmt Marta Torbidoni die Titelrolle, und statt Almas Svilpa...

Das monatliche Opern-Sonett: Fidelio

Ja selbst die Dümmsten, ja, die wirklich Doofen,
Die wissen: Hier, der Dings aus Bonn, der Typ
Der taub war und der deshalb ganz schön trüb
Gelaunt war und viel Zeit vor’m Zimmerofen

Verbrachte und den Rest der Zeit die Strophen
Der neunten Symphonie nach Schiller schrieb
Und dabei immer nur Zuhause blieb,
Ganz heiß gar auf stets neue Katastrophen!

Wie hieß der...

Glaube, Liebe, Hoffnung

Das Geld und die Kunst lagen in London eigentlich schon immer und fast buchstäblich nebeneinander auf der Straße. Noch heute gibt es in der Bankenstadt, der kundige Zeitgenossen den poetisch-sarkastischen Beinamen «Laundramat» angedichtet haben, verstreut über die Viertel sogenannte «Theatre Pubs», wo im Erdgeschoss Unmengen von Pints durch durstige Brexitkehlen...