Tunnel des Wahnsinns

Strauss: Elektra am Theater Erfurt

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EMDR («Eye Movement Desensitization and Reprocessing») ist eine gängige Psychotherapiemethode, bei der der Therapeut Fingerbewegungen vor den Augen des Patienten vollführt, während dieser sich an bestimmte traumatische Situationen seines Lebens erinnert. Durch das Verfolgen der Bewegungen geben die Augen gewisse Reize an das Hirn weiter. Traumatische Erlebnisse sollen so schneller verarbeitet werden. (Aus eben jenem Grund werden stationär aufgenommene Depressionspatienten auch jeden Morgen zum Jogging im Klinikpark angehalten. Bewegung tut gut. Auch dem Hirn.

) Im Musiktheater hingegen geht es für den Zuschauer nicht um «Abstand», um schnelle Verarbeitung, sondern eher um das Gegenteil: um Immersion, Fokus. Und so vermag das Bühnenbild im Theater Erfurt – erfunden, konstruiert und erlebbar gemacht von Daniel Bianco und Carmen Castañón – im Zeichen der neuen «Elektra»-Produktion eben diesen Fokus zu gewährleisten. Gebannt schauen wir die knapp zwei Stunden des Strauss-Hofmannsthal-Coups von 1909 auf eine virtuose Variation des «Götz-Friedrich-Tunnels»; nur dass dieser hier in Thüringens Hauptstadt am Ende einen Schlenker macht und zudem weniger auf den Eindruck von «Zeitlosigkeit» ...

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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Arno Lüxker

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