Trotzdem
Der Dirigent Carlo Maria Giulini beklagte einmal, dass im «Mutterland der Musik» diese traditionell weitgehend identisch mit Oper («melodramma») sei, Sinfonik, Kammermusik hingegen weniger gälten. Die beiden wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit, Luigi Nono und Luciano Berio, gingen ebenfalls auf Distanz zur Singbühne, aber auch zu den etablierten «absoluten» Genres.
Doch selbst für Nono behielt das Theater seine Suggestion – nicht als Repräsentation des «belcanto», sondern als Forum seiner Suche nach ästhetischem Neuland, auch nach einer Kunst linken politischen Engagements, der Fusion kompositorischer wie kommunistischer Strategien. In einem entscheidenden Punkt allerdings stand er quer zu nicht wenigen Konzepten radikaler politischer Kunst: Er blieb der Avantgarde zunächst Darmstädter Provenienz treu, komponierte seriell, bald auch elektronisch, überwarf sich indes bald mit Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen, konnte aber auch mit quasi offiziellen sozialistischen Positionen (Hanns Eisler, Dmitri Schostakowitsch) wenig anfangen; und die Beziehung mit dem ihn bewundernden Hans Werner Henze blieb stets gespalten: Eine «Oper» zu schreiben, wäre ihm nicht in den Sinn ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard R. Koch
Es lockt erst einmal alles in die falsche Richtung. Barrie Kosky, der Operetten-Derwisch, inszeniert einen Berlin-Abend mit Schlagern der 1920er- und 1930er-Jahre, arrangiert rund um eine Klassik-Diva. Das kleine Orchester auf der Vorbühne schraubt sich schamlos in die Romaklänge von Nico Dostals «Heut’ Abend lad ich mir die Liebe ein!». Ein letzter Taumel aus dem...
Sie ist ein Biest, wie es in manchem Buche steht. Herrschsüchtig, durchtrieben, hinterlistig – und karrieregeil, würde man wohl heute sagen. Ein durch und durch schlechter Charakter, doch irgendwann erwischt es jeden. Auch Julia Agrippina, vierte Ehefrau des römischen Kaisers Claudius, Schwester Caligulas und Mutter Neros, wird eines Tages von ihrem Gewissen...
Der Sensationserfolg von Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana» (1890) löste auf der Opernbühne eine Verismo-Welle aus, die geradezu groteske Züge annahm, weil sich vor allem drittklassige (und nicht nur italienische) Komponisten an den neuen Trend anzuhängen versuchten. Die meisten dieser Nachahmungen sind, wohl zu Recht, heute vergessen. Einzig Ruggero...
