Triumph des Mäusekinos
Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.
Dass es denen, die gewerblich übers Musiktheater schreiben, zuletzt nicht leicht gemacht wurde, soll nicht nur für die Annalen festgehalten werden.
Insbesondere die Soloselbständigen mussten Einbußen hinnehmen, die nur teilweise «aufgefangen» werden – die Hilfsprogramme sind auf andere Personen- und Kleinunternehmer-Gruppen zugeschnitten. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Aufarbeitung der Krise und ihrer Folgen stattfindet, welche Konsequenzen sich daraus ergeben oder auch nicht. Für die personell und finanziell gut ausgestattete Musikforschung ergibt sich hier ein lohnendes Arbeitsfeld, auch bezüglich der kreierten und in Umlauf gebrachten experimentellen Produktionen und der «neuen Kommunikationsformate».
Man hat im Zuge des «lebenslangen Lernens» nochmals viel dazugelernt – die Gesellschaft insgesamt wie einzelne ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 124
von Frieder Reininghaus («ÖMZ», Much bei Köln/Wien)
Die Schweiz sieht sich gern als eine Insel der Glückseligen. In vielerlei Hinsicht mag dies selbst in unseren krisenhaften Zeiten berechtigt sein; freilich ist auch das überreiche Kulturleben der Eidgenossenschaft seit anderthalb Jahren bloß noch ein Schatten seiner selbst. Seit die Schweizer Regierung, der Bundesrat, Mitte März 2020 im Zuge einer Notstandsregelung...
Abgesehen von der merkwürdigen Art und Weise, wie sich die Saison 2020/2021 entfaltet hat, ist zunächst zu bemerken, dass im Gegensatz zur vorherigen Saison praktisch alle Institutionen, große wie kleine, vorbereitet waren, um auf die Unwägbarkeiten von Covid zu reagieren, indem sie Alternativen anboten: in Streaming oder in Theatern; mit sehr reduzierter Kapazität...
Die Gesten der Musikerinnen und Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles stehen für mich symbolhaft für diese – unglaublichen – zurückliegenden zwölf Monate. Wie sie sich am 1. November, nach einer Matinee im Festspielhaus Baden-Baden, unter Tränen voneinander verabschiedeten, sich in den Armen lagen. Im Wissen, dass tags darauf eine neuer Lockdown kommen würde, de...
