Klassenkampf
Totenbleich, mit Mord in den Augen und Rasiermesser in der Hand, schaut Sweeney Todd maliziös grinsend in den Zuschauerraum. Obwohl er erst vor wenigen Momenten den Bühnentod gestorben ist, steht der «Demon Barber of Fleet Street» aufrecht auf seinen zwei Beinen, als der Vorhang fällt. Eine Legende stirbt eben nicht. Auch nicht an der Komischen Oper im Schiller Theater, wo Stephen Sondheims schwarzhumoriges Erfolgsmusical «Sweeney Todd» von 1979 nun in einer Neuinszenierung von Barrie Kosky zu sehen ist.
Den Barbier Sweeney Todd treibt die wilde Rachsucht.
Seit ein reicher, aber moralisch verkommener Richter seine Frau vergewaltigt hat, juckt es Sweeney Todd in den Fingern, mit gewetztem Rasiermesser tödliche Rache zu üben. Während er auf den passenden Moment wartet, verwirklicht er gemeinsam mit der Fleischpasteten-Verkäuferin Mrs Lovett eine teuflische Geschäftsidee: Ahnungslosen Kunden, die auf Todds Friseurstuhl Platz nehmen, schlitzt er die Kehle durch, Mrs Lovett verarbeitet die Opfer zu Pasteten und verkauft sie zu gesalzenen Preisen an die begeisterte Kundschaft.
Dem aufmerksamen Rezipienten entgeht durchaus nicht die Gesellschaftskritik, die in dieser Horrorgeschichte ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Anna Schors
Lieber Herr Konwitschny, ist die beste aller möglichen Welten noch zu retten?
Woher soll ich das denn wissen? Allein die Frage ist schon falsch. Jedenfalls kann ich sie nicht beantworten. Aber ich will es mal so sagen: Es wäre furchtbar, wenn es so bliebe, wie es jetzt ist.
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Händel hat sie alle geliebt – die Eifersüchtigen und die Neidhammel, die Tyrannen und die Spieler, die Koketten und die Intriganten. Deswegen bekommt jede seiner Opernfiguren mindestens ein Arienjuwel von ihm geschenkt. In der Oper «Alcina» gibt es viele Juwelen, viele Figuren, und eine leidet herrlicher als die andere: die Zauberin und der von ihr manipulierte...
Ein Wunderkind? Manche sagen, er sei es gewesen. Die weitere kompositorische Entwicklung von George Auric lässt jedoch zumindest leise Zweifel an dieser Einschätzung zu. Und fragt man heute jemanden nach seiner musikhistorischen Bedeutung, ist Schulterzucken die häufigste Antwort. Weithin bekannt ist lediglich, dass Auric Mitglied der Künstlervereinigung «Groupe...
