Ein Häufchen Elend
Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend, Bälle zu: Basta così. Schwimmen wird im bel paese nicht als Freizeitvergnügen angesehen, sondern als echter Sport. So wie auch das Fahrradfahren.
Darum wundert sich das einheimische Publikum im Teatro San Carlo wenig, wenn Dvořáks Oper von der Nymphe Rusalka aus der Natur in die künstliche Welt eines Hallenbads verlegt wird. Hier, wo die Luft nach Chlor riecht und die Wände vollverkachelt sind, schindet sich die Heldin als Spitzenathletin. Mit den Chordamen bildet sie ein Team aus Synchronschwimmerinnen, während Vodnik, im Libretto ein Wassermann, bei Regisseur Dmitri Tcherniakov als ihr Trainer fungiert. Doch Rusalka will dieser Welt des Leistungsdrucks entfliehen – dorthin, wo der Boden trocken ist und der Prosecco auch. Ihre fixe Idee ist es, den sogenannten Prinzen kennenzulernen, einen vollbärtigen Beau aus der High ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Frederik Hanssen
Einen Moment gibt es an diesem merkwürdig übersteuerten Abend, da kehrt das Stück plötzlich zu sich selbst zurück: Akt vier, erste Szene. Soeben und parallel zum «Patria opressa!»-Chor, haben die Schergen des Königs die drei Kinder von Macduff hinterrücks erschossen und seiner Ehefrau brutal die Kehle durchgeschnitten, da tritt der darob in seiner Existenz...
Natürlich handelt Ingmar Bergmans großer letzter Film auch vom Theater; um das eigene Theater kreist die großbürgerliche Familie der Ekdahls, bei den Proben zu «Hamlet» trifft den schnell zu Tränen gerührten Oscar, Vater von Fanny und Alexander, der Schlag, und am Ende planen sie eine Neuinszenierung von Strindbergs «Traumspiel». Das Kunstwerk «Fanny och Alexander»...
Totenbleich, mit Mord in den Augen und Rasiermesser in der Hand, schaut Sweeney Todd maliziös grinsend in den Zuschauerraum. Obwohl er erst vor wenigen Momenten den Bühnentod gestorben ist, steht der «Demon Barber of Fleet Street» aufrecht auf seinen zwei Beinen, als der Vorhang fällt. Eine Legende stirbt eben nicht. Auch nicht an der Komischen Oper im Schiller...
