Ein Häufchen Elend
Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend, Bälle zu: Basta così. Schwimmen wird im bel paese nicht als Freizeitvergnügen angesehen, sondern als echter Sport. So wie auch das Fahrradfahren.
Darum wundert sich das einheimische Publikum im Teatro San Carlo wenig, wenn Dvořáks Oper von der Nymphe Rusalka aus der Natur in die künstliche Welt eines Hallenbads verlegt wird. Hier, wo die Luft nach Chlor riecht und die Wände vollverkachelt sind, schindet sich die Heldin als Spitzenathletin. Mit den Chordamen bildet sie ein Team aus Synchronschwimmerinnen, während Vodnik, im Libretto ein Wassermann, bei Regisseur Dmitri Tcherniakov als ihr Trainer fungiert. Doch Rusalka will dieser Welt des Leistungsdrucks entfliehen – dorthin, wo der Boden trocken ist und der Prosecco auch. Ihre fixe Idee ist es, den sogenannten Prinzen kennenzulernen, einen vollbärtigen Beau aus der High ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Frederik Hanssen
Der jährliche Besuch des Festivals im südostirischen Wexford gleicht mitunter dem Griff in die Wundertüte, bei dem man mal einen guten Fang macht, mal nicht und gelegentlich das große Los zieht, wie 2014 mit Jacopo Furonis «Christina, regina di Svezia» geschah. Von Anfang an beschloss der kleine Gründerkreis passionierter Opernliebhaber, der das Festspiel 1951 aus...
Ein Gespenst geht um in deutschen Landen. Keine Angst, es ist nicht der Kapitalismus, der hat seine Maske längst abgestreift und herrscht unumschränkt. Nein, es ist ein anderes Ungeheuer, das vielen Kulturschaffenden die blanke Angst in die Mienen malt, es trägt den Namen Sanierung. Zahlreiche Opernhäuser müssen dringend ausgebessert, wenn nicht gar neu gebaut...
Nein, dieses Bild ist nicht bezaubernd schön, es ist be(d)rückend trist. Kaum sind die Freunde gegangen, schon klopft das Schicksal in schwer schleppenden Vierteln an die unsichtbare Tür, und man spür die ganze, große Einsamkeit eines Paars, das vermutlich längst weiß, wie die Sache enden wird. Hand in Hand, eng umschlungen, liegen Maraike Schröter als Mimì und...
