Toscanini!
Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orchestre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve ohne Federlesens, ungehobelt beinahe, im Langsamen von schier brütender Intensität. Toscanini!, denkt man beiseite. Jedenfalls bestimmt die Musik das Klima dieser Koproduktion mit Toronto und Nürnberg.
Erstmals an der Opéra du Rhin am Pult: Marc Albrecht, seit einem Jahr (Konzert-)Chef des Orchesters. Die Arbeit trägt ohrenscheinlich Früchte. Drall und Drive der hier wieder mal eingeschobenen, ohne Pause in den Finalappell überführten dritten Leonoren-Ouvertüre sind ungeheuer.
Andreas Baeslers Regie auf Andreas Wilkens‘ Bühne ist von der Idee her bestechender als im inszenatorischen Detail. Das Manhattan aus Schubladentürmen, die sich am Ende zum Karteiblätterregen neigen, als seien sie entwurzelt; diese Bau-gewordene, groteske Menschenfeindlichkeit; die zivile Kleidung, die, einer Hoffnungsfolter gleich, aus dem ...
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Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...
«Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, ist nichts als Eure Bequemlichkeit und Schlamperei» – Gustav Mahlers grimmiger Satz wurde bestimmend in den sechziger Jahren für Peter Stein, Hans Neuenfels, Klaus Michael Grüber, Claus Peymann, Hansgünther Heyme, Achim Freyer, Pina Bausch, Johann Kresnik, Robert Wilson. So groß die Unterschiede zwischen ihnen waren, so...
Die Nornen sind zwar, wie üblich, grau und grämlich, doch tragen sie Schleier und andeutungsweise orientalische Gewänder, auch sind ihrer mehr als nur drei. In einem düsteren Keller voller altmodischer Röhrenbildschirme, auf denen Kolonnen von Buchstaben und Zahlen flimmern, operieren sie nicht mit einem Seil, sondern den Kabeln eines Computer-Servers. Am Ende...
