Toscanini!
Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orchestre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve ohne Federlesens, ungehobelt beinahe, im Langsamen von schier brütender Intensität. Toscanini!, denkt man beiseite. Jedenfalls bestimmt die Musik das Klima dieser Koproduktion mit Toronto und Nürnberg.
Erstmals an der Opéra du Rhin am Pult: Marc Albrecht, seit einem Jahr (Konzert-)Chef des Orchesters. Die Arbeit trägt ohrenscheinlich Früchte. Drall und Drive der hier wieder mal eingeschobenen, ohne Pause in den Finalappell überführten dritten Leonoren-Ouvertüre sind ungeheuer.
Andreas Baeslers Regie auf Andreas Wilkens‘ Bühne ist von der Idee her bestechender als im inszenatorischen Detail. Das Manhattan aus Schubladentürmen, die sich am Ende zum Karteiblätterregen neigen, als seien sie entwurzelt; diese Bau-gewordene, groteske Menschenfeindlichkeit; die zivile Kleidung, die, einer Hoffnungsfolter gleich, aus dem ...
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Das diskografische Erbe des Tenors Peter Anders, der sich mehr als ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode noch ungebrochener Popularität erfreut, ist beeindruckend: Rund fünfhundert Aufnahmen, die Rundfunkproduktionen mitgerechnet, sind erhalten, ein großer Teil davon wurde auf CD recycelt. Neues zu entdecken gibt es bei diesem Sänger also kaum, aber das...
Dem neuen «Don Carlo» der Royal Opera in London kann man sich auf zwei verschiedenen Wegen nähern. Der eine geht ungefähr so: Rolando Villazón, Tenorissimo der Stunde, krönt nach mehrmonatiger Indisposition bei seinem ersten Bühnenauftritt ein Spitzenensemble in einer prachtvollen Produktion von Verdis Spanien-Drama, deren Mastermind «die einflussreichste...
