Groucho als Abräumer
Dolly war nur der Anfang; jetzt klonen sie bereits Groucho Marx. Zumindest schien der Komiker Ende Juni in vielfacher Ausführung durch Foyer und Zuschauerraum des Grazer Schauspielhauses zu wuseln und sich auch auf der Bühne an mehreren Klavieren gleichzeitig zu betätigen: Männer mit schwarzen Perücken und ebensolchen aufgeklebten Schnäuzern. Perplex der Uneingeweihte, der die Zusammenhänge nicht kannte.
Denn eigentlich hätten die Preise, welche die Herren Tobias Kratzer aus Landshut und Rainer Sellmaier aus München mit ihrer Truppe einsammelten, nach Bulgarien und Serbien gehen müssen, hatten sie ihr Konzept doch als Pedrak Topola und Nedrak Morakov, Mitglieder des freien Künstlerkollektivs ATEF Berlin, verkauft – aus Lust an der Verstellung, und weil sie auch noch andere Ideen am Kochen hatten. Konsequenterweise liefen sie während des Finales des «Ring.Award 08» quasi als balkanisches Revival von «A Night at the Opera» herum.
Es war der fünfte Wettbewerb für Regie und Bühnenbild des «Wagner-Forum» Graz, entstanden vor elf Jahren auf Initiative von dessen Vorsitzenden Heinz Weyringer und des damaligen Grazer Intendanten Gerhard Brunner, mit Peter Konwitschny als ständigem ...
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«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
Seine Schwäche fürs erotische Intermezzo hat «Il turco in Italia» wenig genützt. Rossinis Oper über den Seitensprung wurde zumindest in Berlin seit Ewigkeiten nicht aufgeführt. Man muss das Stück leicht nehmen können. Dass der stets eilige Rossini «Il turco» 1814 nicht allein, sondern mit fremder Hilfe vollendete (bei den Rezitativen und beim Schluss), tat ein...
Stefano Landis «Il Sant’ Alessio» (Rom 1632/34), gesteht William Christie in einem Bonus-Interview des DVD-Mitschnitts aus Caen, sei seit seinem Studium eines seiner Lieblingswerke. Nicht nur die herb-chromatische Musik habe es ihm angetan, sondern vor allem auch die Qualität der Verse. Schon 1996 legte er eine gekürzte und mit Frauen in den hohen Stimmen besetzte...
