Torte im Borschtsch
In der Woche vor der Premiere von Mussorgskys «Boris Godunow» an der Wiener Staatsoper war Vladimir Putin auf Staatsbesuch in Wien, was die satirische Bemerkung kursieren ließ, Macht wechsle häufiger von Hand zu Hand als von Kopf zu Kopf. Als Aphorismus klingt das gut, doch ist es leider historische Realität – nicht nur der russischen Geschichte, die in Mussorgskys Opus summum eine geradezu nihilistisch zugespitzte Parabel gefunden hat.
Assoziationen zur Allianz von Macht und Mord wollte der inszenierende Bühnenbildner Yannis Kokkos nicht beiseiteschieben.
So findet sich in seinem ansonsten ästhetisch unbefleckten, aus geometrischen Zeichen und Ikonenzitaten zusammengesetzten Dekor eine jener typischen Statuen: der große Führer in Erz, unverbrüchlich, ungebärdig, unausweichlich, unausstehlich. Wenn auch nicht unverletzlich, wie das letzte Bild suggeriert, in dem die Statue gestürzt ist und Grigori Otrepjew, der falsche Dimitri, wie weiland Boris Jelzin auf sie steigt. Im Hintergrund freilich reckt sich ein Klon des alten Denkmals, visuelles Signal für den Geschichtspessimismus Karamsins, Puschkins und in deren Folge auch Mussorgskys.
Kein neuer Ansatz zwar, aber einer, aus dem ...
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In einer Enzyklopädie der Gesangskunst, die noch geschrieben werden muss, hat er ein eigenes Kapitel verdient, auch wenn er heute nur noch wenigen Kennern ein Begriff ist: Der rumänische Tenor Petre Munteanù (1916-1988) vertritt den Typus des «tenore di grazia» in Reinkultur, wobei dieser Terminus weniger ein Stimmfach bezeichnet als eine ästhetische Haltung.
Eigent...
Gioacchino Rossini hat zwar kein eigenes Festspielhaus, aber international nicht weniger Kultstätten als Richard Wagner. Das hätten sich beide Komponisten nicht träumen lassen, als sie im März 1860 in Paris zusammentrafen. Die französische Metropole, die über vier Jahrzehnte seine Wahlheimat war, tut dem Italiener bis heute die meiste Ehre an, denn sie nimmt ihn...
Die Tanzerei beginne, lässt sich der Chor vernehmen. Von wegen. Da ist in Freiburg das Dreisparten-Haus mit Tanztheater-Ausrichtung vor. Beinahe schon die Regel, dass ein Operneinsatz des Tanzensembles nicht vorgesehen ist. Andeutungsweise getanzt wird dennoch in dieser «Verkauften Braut». Ob aus Not oder konzeptioneller Überzeugung: Bernhard Moncados...
